textil _textos

I

La tela de Penélope o quién engaña a quién
Augusto Monterroso

Hace muchos años vivía en Grecia un hombre llamado Ulises (quien a pesar de ser bastante sabio era muy astuto), casado con Penélope, mujer bella y singularmente dotada cuyo único defecto era su desmedida afición a tejer, costumbre gracias a la cual pudo pasar sola largas temporadas.

Dice la leyenda que en cada ocasión en que Ulises con su astucia observaba que a pesar de sus prohibiciones ella se disponía una vez más a iniciar uno de sus interminables tejidos, se le podía ver por las noches preparando a hurtadillas sus botas y una buena barca, hasta que sin decirle nada se iba a recorrer el mundo y a buscarse a sí mismo.

De esta manera ella conseguía mantenerlo alejado mientras coqueteaba con sus pretendientes, haciéndoles creer que tejía mientras Ulises viajaba y no que Ulises viajaba mientras ella tejía, como pudo haber imaginado Homero, que, como se sabe, a veces dormía y no se daba cuenta de nada.

FIN

#

.

. Penelopes Gewebe, oder wer trickst hier wen aus

Augusto Monterroso

Vor vielen, vielen Jahren lebte in Griechenland ein Mann namens Odysseus (der obgleich ziemlich klug, recht listig war). Er war mit Penelope verheiratet, einer schönen und überaus begabten Frau, deren einziger Fehler in ihrer übermässigen Liebe zur Weberei bestand, eine Angewohnheit dank welcher sie lange Zeiträume des Alleinseins schadlos überstehen konnte.

Wie uns die Sage überliefert, konnte man Odysseus -jedesmal wenn er in seiner Raffinesse sah, dass sie trotz seiner Verbote mit den Vorbereitungen zu einem neuen ihrer nie enden wollenden Gewebe begann- dabei beobachten, wie er nachts heimlich seine Stiefel und ein gutes Schiff bereit hielt, um irgendwann, ohne ihr Bescheid zu geben, in die Welt hinaus zu segeln, auf der Suche nach sich selbst.

So gelnag es ihr ihn fern zu halten, während sie mit ihren Verehrern liebäugelte, und alle glauben machte, dass sie webte, während Odysseus die Welt bereiste und nicht, dass Odysseus auf Reise ging, während sie webte, wie es der Vorstellung des Homer hätte entspringen können, von dem man weiss, dass er oft wegnickte und nichts bemerkte.

ENDE

#

.

Penelope’s weaving or who was tricking whom
Augusto Monterroso

Many years ago, a man lived in Greece, named Ulysses (who, despite of being quite wise, was also very cunning). He was married to Penelope, a beautiful woman endued with many talents, who’s only flaw was her fond passion for weaving. This habit helped her to endure long periods of solitude.

As it is told in legends and myths, every time Ulysses realized thanks to his proverbial wit that his wife was about to start one of her endless weavings again despite his prohibitions, he could be seen secretly holding ready his boots and a good boat, ready to leave later without letting her know, with the purpose of travelling the world and finding himself.

This way, she managed to keep him away while she flirted with her suitors, making them believe that she entertained herself weaving while Ulysses was away and not that Ulysses sailed the seas while she weaved, as Homer might have imagined it. But it is known that Homer himself used to fall asleep from time to time, not noticing a thing of what was actually going on.

THE END

#

II

Das Brokatmuster


In alten Zeiten lag am Fuß eines Berges ein Stück ausgebreitetes, flaches Land. Auf diesem Stück Land standen einige Strohhütten, in denen eine alte Frau und ihre Familie wohnten. Der Mann war früh verstorben und hinterließ seiner Frau drei Söhne. Der älteste Sohn hieß Lemo, der Zweitälteste Ledui’e und der jüngste Sohn hieß Lere.

Die alte Frau konnte sehr gut Brokatstoffe weben. Die Blumen, die Gräser, die Vögel und die Tiere, die sie als Muster in die Stoffe hineinwebte, übertrafen die Wirklichkeit an Lebendigkeit und Schönheit. Viele Leute kauften gerne diese Brokatstoffe, um Kleidung, Bettdecken und Betttücher daraus zu machen. Die vier Mitglieder der Familie lebten von der Handarbeit der alten Frau.

Eines Tages ging die alte Frau zum Markt, um Brokatstoffe zu verkaufen. Bei der Rückkehr sah sie in einem Laden ein sehr schönes, fünffarbiges Bild, das eine Dorflandschaft darstellte: hohe Häuser, schöne Gärten, breite Felder, Obstgärten, Gemüsegärten und Fischteiche, eine Menge von Rindern, Schafen, Hähnen und Enten. Das Bild gefiel ihr sehr. Eigentlich wollte sie mit dem Erlös für ihre Stoffe Reis kaufen. Da ihr aber das Bild über alle Maßen gefiel, kaufte sie weniger Reis. Mit dem übrigen Geld erwarb sie das Bild und brachte es mit nach Hause.

Auf dem Heimweg setzte sich die alte Frau immer wieder nieder, öffnete das Bild und betrachtete es genau. Sie murmelte vor sich hin: “Wenn ich doch in diesem Dorf wohnen könnte!”

Daheim zeigte sie den Söhnen das Bild, und ihnen gefiel es ebenso gut wie ihrer Mutter.

Die alte Frau sagte zu dem ältesten Sohn: “Lemo, wenn wir doch in einem solchen Dorf wohnen könnten!”

Lemo verzog den Mund und erwiderte: “Mutter, das ist nichts als ein Traum!”

Darauf sagte die alte Frau zu ihrem Zweitältesten Sohn: “Ledui’e, wenn wir doch in einem solchen Dorf wohnen könnten!”

Auch Ledui’e verzog den Mund: “Mutter, das ist nur ein Bild, nichts Wirkliches.”

Die alte Frau runzelte die Stirn, wandte sich dem jüngsten Sohn zu und sprach: “Lere, wenn ich nicht in einem solchen Dorf wohnen kann, werde ich eines Tages den Verstand verlieren.” Sie seufzte.

Lere überlegte und tröstete die Mutter: “Mutter, du kannst meisterhaft Brokat weben, die Dinge auf deinen Stoffen sind alle lebendig. Webe dieses Bild in Stoff, dann hast du den Anblick zu jeder Zeit vor dir und wirst das Gefühl haben, dass du in diesem Dorf lebst.”

Die alte Frau überlegte eine Weile und sagte dann: “Du hast recht, so werde ich es machen, sonst sterbe ich.”

Die alte Frau kaufte Seidenfäden in fünf Farben, brachte den Webstuhl in Ordnung und webte an dem Bild.

Tage und Monate vergingen.

Lemo und Leduie waren nicht zufrieden. Oft schoben sie die Hände der Mutter vom Webstuhl weg und sagten: “Mutter, du webst und webst und verkaufst keinen Stoff mehr. Wir dagegen müssen schwer arbeiten, weil wir Holz schlagen und es gegen Reis eintauschen müssen.”

Lere redete seinen älteren Brüdern gut zu:

“Lasst Mutter weben, sonst werden wir sie ganz verlieren. Wenn ihr zu müde seid, gehe ich alleine Holz schlagen.”

Seitdem ging Lere täglich in die Berge, um Holz zu schlagen, und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie.

Die alte Frau webte Tag und Nacht. Jede Nacht entzündete sie Kienspan aus Kiefernholz, um licht zu haben. Aber der Rauch war stark und drang in die Augen, so dass die alte Frau immer weniger sehen konnte, doch sie hörte nicht auf. Nach einem Jahr fielen die Tränen der alten Frau auf den Brokatstoff, die alte Frau webte darauf klare Bäche und Fischteiche. Nach zwei Jahren tropfte Blut aus den Augen der alten Frau auf den Stoff, die alte Frau webte darauf die rote Sonne und die schönen Blumen.

Die alte Frau webte und webte. Drei Jahre vergingen, bis der Stoff fertig war.

Wie schön dieser Brokat war!

Eine Reihe von hohen Häusern mit blauen Dachziegeln, grauen Wänden, roten Säulen und gelben Türen. Vor den Türen lag ein großer Blumengarten, in dem die schönsten Blumen blühten. Im Garten gab es Fischteiche, in denen goldene Fische die Schwänze bewegten. Links von den Häusern war ein Obstgarten, auf den Obstbäumen mit herrlichen roten Früchten ließen sich unterschiedliche Vögel nieder. Rechts von den Häusern war ein Gemüsegarten voller grünsaftiger Gemüsearten und gelber Kürbisse zu sehen. Hinter den Häusern breitete sich Grasland aus, auf dem Ställe für Rinder, Schafe, Hähne und Enten errichtet waren. Die Rinder und Schafe fraßen fette Gräser auf der Weide, und die Hähne und die Enten labten sich an kleinen Insekten. Unterhalb eines Berges erstreckten sich in der Nähe der Häuser breite Felder, auf denen Reis und Mais üppig wuchsen. Ein klarer Fluss plätscherte am Rand des Dorfes, das die rote Sonne herrlich beschien.

“Wie schön dieser Brokatstoff ist!” lobten die drei Söhne.

Die alte Frau richtete den Körper auf, rieb die roten Augen und lächelte.

Aber plötzlich kam ein gewaltiger Wind von Westen auf, der den Brokat von der Wand riss und hoch in die Luft wirbelte. Immer weiter trug der Wind den Stoff in Richtung Osten davon.

Die alte Frau rannte hinterher und rief zum Himmel, aber der Brokatstoff war schon bald nicht mehr zu sehen.

Vor der Tür ihrer Hütte fiel die alte Frau in Ohnmacht.

Die drei Söhne brachten die Mutter ins Haus, legten sie auf ihr Bett und flößten ihr eine Schüssel Ingwersuppe ein. Langsam kam die alte Frau zu sich. Sie sagte zu ihrem ältesten Sohn: “Geh nach Osten und bring den Brokatstoff zurück, er bedeutet mir mehr als mein Leben.”

Lemo nickte, zog die Strohsandalen an und machte sich in Richtung Osten auf den Weg. Nach einem Monat erreichte er den Pass eines hohen Berges.

Am Pass des Berges stand eine Hütte aus Steinen, neben der ein großes Steinpferd angebunden war. Das Steinpferd machte den Mund weit auf und verlangte nach den roten Früchten des Pflaumen-Baumes. Vor der Steinhütte saß eine weißhaarige alte Frau. Sie sah Lemo kommen und fragte ihn: “Mein Kind, wohin gehst du?”

Lemo antwortete: “Ich gehe einen Brokatstoff suchen. Meine Mutter hat drei Jahre daran gearbeitet, er ist aber vom Wind nach Osten davongetrie-ben worden.”

Die weißhaarige alte Frau sagte: “Den Brokatstoff haben die Feen des Sonnenberges im Osten geraubt. Sie wollen den Brokatstoff als Muster haben. Aber sie zu erreichen ist sehr schwer. Zuerst musst du dir zwei Zähne ausschlagen und sie in den Mund des Steinpferdes stecken. Wenn das Steinpferd Zähne hat, kann es die Früchte des Pflaumen-Baumes essen. Wenn es zehn Früchte gegessen hat, wird es dich zum Sonnenberg tragen. Unterwegs kommst du am Feuerberg vorbei. Wenn das Steinpferd ins Feuer springt, musst du die Schmerzen ertragen und darfst nicht schreien. Wenn du nur einen einzigen Schrei ausstößt, wirst du zu Asche verbrennen. Hinter dem Feuerberg liegt das große Meer. Stürmische Wellen mit gewaltigen Eisblöcken kommen dir entgegen. Du darfst nicht zittern. Wenn du einmal zitterst, werden die Wellen dich verschlingen. Hinter dem Meer erhebt sich der Sonnenberg. Dort kannst du bei den Feen den Brokatstoff zurückholen.”

Lemo griff an seine Zähne, dachte an das Feuer und die Wellen und erbleichte.

Die weißhaarige alte Frau sah ihn an und sagte lächelnd: “Mein Kind, du kannst die Leiden nicht überstehen. Kehre um. Ich schenke dir einen Beutel voller Gold, damit kannst du zu Hause ein glückliches Leben führen.”

Die weißhaarige alte Frau holte aus der Steinhütte einen Beutel voller Gold und gab ihn Lemo. Lemo nahm den Beutel, drehte sich um und ging davon.

Unterwegs dachte er: “Mit diesem Gold kann ich sehr gut leben. Aber ich gehe nicht nach Hause, am besten behalte ich allein das Gold.” So beschloss er, nicht heimzukehren, sondern blieb in einer großen Stadt, die am Weg lag.

Die Mutter lag schwerkrank im Bett und wartete zwei volle Monate, aber Lemo kam noch immer nicht zurück. Da rief sie den Zweitältesten Sohn zu sich und sprach: “Ledui’e, geh nach Osten und suche den Brokatstoff, er bedeutet mir mehr als mein Leben.”

Ledui’e nickte, zog die Strohsandalen an und wanderte nach Osten. Nach einem Monat kam auch er zu dem Bergpass und sah die weißhaarige alte Frau vor der Steinhütte sitzen. Die alte Frau sagte ihm alles, was sie auch Lemo gesagt hatte. Ledui’e griff sich an seine Zähne, dachte an das Feuer und die Wellen und erbleichte.

Die weißhaarige alte Frau schenkte ihm einen Beutel voll Gold. Er nahm den Beutel und beschloss, nicht mehr nach Hause zurückkehren, sondern in jener Stadt zu bleiben, in die auch sein Bruder gezogen war.

Die Krankheit der Mutter verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Wieder wartete sie zwei Monate lang und weinte täglich. Mit ihren vom langen Weben geschwächten Augen konnte sie, da sie täglich weinte, bald nicht mehr sehen. Schließlich erblindete sie gänzlich.

Eines Tages sagte Lere zu seiner Mutter: “Mutter, meine Brüder sind noch immer nicht zurückgekommen. Bestimmt sind sie auf dem Weg in Schwierigkeiten geraten. Lass mich ausziehen. Ich werde bestimmt den Brokatstoff finden.”

Die Mutter überlegte eine Weile und antwortete dann: “Lere, du kannst gehen. Pass gut auf dem Weg auf dich auf! Die Nachbarn werden sich um mich kümmern!”

Lere zog die Strohsandalen an, raffte allen Mut zusammen und machte sich auf den Weg nach Osten. Schon nach einem halben Monat erreichte er den Bergpass. Er sah die weißhaarige alte Frau vor der Steinhütte.

Die alte Frau beschrieb auch ihm die Gefahren der Weiterreise und redete auf ihn ein: “Mein Kind, deine beiden älteren Brüder sind jeder mit einem Beutel voller Gold umgekehrt. Nimm auch du einen Beutel von mir zum Geschenk und mach dich auf den Rückweg.”

Lere aber antwortete: “Nein, ich will den Brokatstoff meiner Mutter bringen.” Er hob vom Weg einen Stein auf und schlug sich zwei Zähne aus. Dann schob er die Zähne in den Mund des Steinpferdes. Das Steinpferd bewegte sich und begann die Früchte des Pflaumen-Baumes zu essen. Als es zehn Früchte gegessen hatte, sprang Lere auf den Rücken des Pferdes, hielt sich an der Mähne fest, drückte dem Tier die Füße in die Flanken, das Pferd hob den Kopf, ließ ein lautes Wiehern hören und galoppierte in Richtung Osten davon.

Lere ritt drei Tage und drei Nächte und kam zum Feuerberg. Die roten Flammen schlugen dem Pferd und Lere entgegen. Lere biss die Zähne zusammen und hielt die Schmerzen aus. Keinen Laut gab er von sich. Nach einem halben Tag hatten sie den Berg hinter sich und ritten, ohne zu verweilen, in das gewaltige Meer hinaus. Die stürmischen Wellen, auf denen unzählige scharfkantige Eisblöcke schwammen, brandeten ihnen entgegen. Lere saß auf dem Pferd, presste die Lippen aufeinander, und obwohl er unter der Kälte und den Wunden, die das Eis in seine Haut riss, unsagbar litt, entrang sich ihm kein Seufzer. Nach einem halben Tag ereichten sie das andere Ufer und standen am Sonnenberg.

Im Glanz der Sonne sah Lere auf dem Gipfel des Berges ein sehr hohes und prunkvolles Haus, Gesang und Gelächter von Frauen waren zu hören.

Lere ritt vor das Tor. Er sprang vom Pferd, durchschritt das prächtige Portal und sah die Feen in der Halle sitzen und an einem großen Brokatstoff weben. Der Brokat der Mutter lag in der Mitte, und die Feen webten das Muster nach.

Die Feen waren sehr erschrocken, als sie Lere erblickten. Lere erzählte ihnen, warum er herge kommen sei. Nachdem er seinen Bericht beendet hatte, sagte eine der Feen: “Gut, wir werden heute Nacht fertig und geben dir den Stoff morgen, wenn es tagt, zurück. Warte bis dahin, und bleib die Nacht über bei uns.”

Lere war einverstanden. Die Feen brachten ihm köstliche Früchte, die ihn nach den Qualen, die er ausgestanden hatte, wunderbar erquickten.

Lähmende Müdigkeit befiel ihn und er schlief auf der Stelle ein.

In der Nacht hängten die Feen an die Decke der Halle eine hell schimmernde Perle, so dass das ganze Haus erleuchtet war und sie weiter weben konnten.

Eine der Feen, die ein rotes Gewand trug, war die geschickteste von allen. Als sie fertig war und ihr Webmuster mit dem der alten Frau verglich, fand sie, dass der Brokatstoff der alten Frau noch besser als ihr eigener war: Die Sonne war glühender, die Fischteiche klarer, die Blumen frischer und die Rinder und Schafe lebendiger.

Die Fee mit dem roten Gewand flüsterte vor sich hin: “Wenn ich doch in diesem Dorf leben könnte!” Da die anderen noch nicht mit ihrer Arbeit fertig waren, nahm sie Seidenfäden und stickte auf den Stoff der alten Frau ihr eigenes Bild hinzu; sie stand am Fischteich und bewunderte die roten Blumen.

Als Lere erwachte, war Mitternacht schon vorüber. Die Feen waren schlafen gegangen. Unter dem Licht der Perle sah er, dass der Brokatstoff seiner Mutter noch auf dem Tisch lag. Lere dachte: “Wenn sie mir morgen den Stoff nicht zurückgeben, was soll ich dann tun? Die Mutter ist schon so lange krank, am besten, ich mache mich gleich jetzt mit dem Brokatstoff auf den Heimweg.”

Lere stand auf, nahm den Stoff und verließ das Haus auf dem Sonnenberg. Er bestieg das Steinpferd und ritt davon.

Er ritt durch das große Meer, überwand den Feuerberg und gelangte wieder zum Bergpass.

Die weißhaarige alte Frau stand vor der Steinhütte und sagte lächelnd: “Mein Kind, steig vom Pferd!” Sie zog die zwei Zähne aus dem Maul des Pferdes und schob sie Lere in den Mund. Das Steinpferd blieb wie ehedem unbewegt unter dem Pflaumen-Baum stehen.

Dann holte sie ein Paar Hirschleder schuhe aus der Hütte und überreichte sie Lere: “Mein Kind, zieh diese Hirschlederschuhe an und eile nach Hause, deine Mutter ist todkrank.”

Lere zog die Hirschlederschuhe an, stieß sich mit beiden Füßen vom Boden ab und war im nächsten Augenblick zuhause. Die Mutter lag im Bett, sah bleich und mager aus und schien auf den Tod zu warten.

Lere ging zum Bett und rief: “Mutter!” Dann nahm er von seiner Brust den Brokatstoff und breitete ihn vor der Mutter aus. Auf einmal konnte die alte Frau wieder sehen. Sie stand vom Bett auf und besah lächelnd den Brokatstoff, an dem sie drei Jahre gearbeitet hatte. Dann sagte sie: “Mein Sohn, hier drin ist es zu dunkel, bringen wir den Stoff nach draußen und legen ihn unter die Sonne.”

Die alte Frau ging vor die Hütte und breitete den Brokatstoff aus. Ein duftiger Wind wehte durch das Tal, und der Brokatstoff wurde größer und größer und dehnte sich immer weiteraus. Nach wenigen Minuten bedeckte er schon einige Meilen breit Boden.

Die alten Strohhütten verschwanden. Ihren Platz nahmen auf einmal hohe und prächtige Häuser ein, ringsum erstreckten sich Blumen-, Obst- und Gemüsegärten, breite Felder und Wiesen, auf denen Rinder und Schafe weideten. Die alte Frau und Lere standen plötzlich inmitten der Landschaft, die die alte Frau gewebt hatte.

Da entdeckte die alte Frau ein Mädchen in roter Kleidung, das am Fischteich stand und sich die Blumen besah. Die alte Frau ging zu ihr hinüber und fragte sie, wer sie sei. Das Mädchen antwortete: “Ich bin eine der Feen, und weil ich mein Bild in den Brokatstoff hineingestickt habe, wurde ich hierher gebracht.”

Die alte Frau lud die Fee ein, mit ihr in dem neuen Haus zu wohnen.

Später heiratete Lere die Fee und führte mit ihr ein glückliches Leben.

Die alte Frau lud auch die armen Nachbarn, die sich um sie gekümmert hatten, als sie krank war, ein, in dem neuen Dorf zu leben.

Eines Tages kamen zwei Bettler ins Dorf. Es waren Lemo und Ledui’e. Sie hatten mit dem Gold der weißhaarigen alten Frau in der Stadt gelebt, waren verschwenderisch gewesen und bald darauf verarmt, so dass sie sich als Bettier durchschlagen mussten.

Als sie das schöne Dorf erreichten und ihre Mutter, Lere und seine Frau glücklich im Blumengarten singen sahen, dachten sie an die Vergangen heit und schämten sich so sehr, dass sie das Dorf nicht betraten, sondern auf ihre Bettelstöcke gestützt davonzogen.

©  Radio China International

III

La tejedora

 

Si no hubiera sido por el color de su piel, más de uno la hubiera confundido con una pasa antropomorfa. Con el tiempo se había quedado encorvada y sus ojos se habían ido escondiendo en la profundidad de sus cuevas, quizá porque no querían ver lo que tanto duele al corazón.

Sin embargo, sus manos no se quedaban quietas ni un instante. La armonía de sus movimientos delataba que la coreografía se había vuelto parte de ellas mismas desde hace mucho tiempo atrás. Con la ciega confianza de quien encuentra su camino incluso en las noches más oscuras, seguían su trayectoria una y otra vez, recogían, pasaban, soltaban, recogían, pasaban, soltaban…..

De hecho, nadie en el pueblo, ni los más ancianos, la recordaban haciendo otra cosa, y muchos se habían quedado dormidos, o quizá hipnotizados, siguiéndolas con los ojos en el intento de averiguar su misterio. Nadie se atrevía a plantearse seriamente qué pasaría si algún día estas laboriosas manos dejaran de moverse.

Claro que hubo un tiempo en el que ella, como todas las jóvenes del pueblo, se arreglaba y salía al baile de los viernes. Conforme las demás chicas, una tras otra, se iban casando, ella se quedó sola. No por falta de pretendientes: más de uno del pueblo y de otros lugares de los alrededores lo intentó, todos desistieron. Contaban, no con mala baba, sino con cariñosa melancolía, casi con un poco de pena, que cuando llegaba el momento de “descubrirse”, ella se negaba, no con vehemencia, sino con una sentida resignación, casi con un poco de pena.

Así que sola vivía y sola se sentaba en la habitación más soleada de su casa a tejer, día sí, día también. Tejía maravillosas prendas, prendas mágicas, que mientras colgaban de sus finas agujas y crecían gracias a su incesante baile, parecían poca cosa, pero cuando terminaba una labor, y la entregaba a su futuro dueño o dueña, esta prenda se hacía al cuerpo que debía cubrir como una segunda piel; es más, resultaba tan reconfortante para quien lo llevaba que al poco tiempo experimentaba una sensación de felicidad como nunca antes había sentido. La prenda cambiaba de colores y dibujos como las estrías de aceite en la superficie de un charco o la luz del sol naciente que se refracta en una gota de rocío. Cuando hacía calor refrescaba; en los gélidos días de invierno, abrigaba; era resistente para el trabajo, ligera y elegante para los días de fiesta. Podía resultar tan provocadora y extravagante como pasar desapercibida, según el estado de ánimo de quien lo llevara. Aquél que tenía la suerte de recibir una de estas prendas tejidas con un hilo fino y casi invisible del que nadie sabía de dónde procedía, se consideraba dueño de un auténtico tesoro.

Un día de primavera, las manos de la tejedora se posaron suavemente en su regazo, como mariposas en una flor. Nunca más volvieron a levantarse.

Este mismo día, tres calles más abajo, dirección al viejo puente, nació un niño. Al cortarle el hilo umbilical, la comadrona se paró un instante, asintió ligeramente con la cabeza y con sumo cuidado separó el hilo que había alimentado al niño en el vientre de su madre de otro, fino y casi invisible, que parecía poca cosa, pero que ella reconoció enseguida……

 ###

III

die strickerin


Responder

Introduce tus datos o haz clic en un icono para iniciar sesión:

Logo de WordPress.com

Estás comentando usando tu cuenta de WordPress.com. Cerrar sesión / Cambiar )

Imagen de Twitter

Estás comentando usando tu cuenta de Twitter. Cerrar sesión / Cambiar )

Foto de Facebook

Estás comentando usando tu cuenta de Facebook. Cerrar sesión / Cambiar )

Google+ photo

Estás comentando usando tu cuenta de Google+. Cerrar sesión / Cambiar )

Conectando a %s