berlin _ 403 _ künstlerresidenz in der kmh

Die [Voll]Endung in Sicht.

JA, das Ziel ist greifbar nah. Das letzte Abwickeln der Kette, das letzte Aufrollen des gewirkten Bildes, ein neuer Horizont und der letzte Abschnitt einer langen Wegstrecke.

Und JA, es ist eine Maske. Nach langem Zögern habe ich auch dem einen kleinen Raum bewilligt, was mehr oder weniger intensiv aber immer gegenwärtig unser Leben in den letzten 12 Monaten bestimmt und die Entstehungsgeschichte dieses Teppichs begleitet hat und letztendlich auch ein Grund für die Künstlerresidenz war und ist.

Nicht ohne inneren Widerstand, aber mit der Einsicht, dass dieser wichtige Aspekt zu solch einem Sammelsurium an Eindrücken und Augenblicken, an Anekdotischem und Tiefgründigem dazu gehört.

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berlin _ 402 _ künstlerresidenz in der KMH

Zwischenstand. Zwischen Sollte und Sein.
Und doch Zufriedenheit.

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401 _ berlin _ zwischen den welten (6)

Manchmal

Manchmal, wenn ein Vogel ruft
oder ein Wind geht in den Zweigen
oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
dann muß ich lange lauschen und schweigen.

Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.

Meine Seele wird Baum
und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

Hermann Hesse, September 1904

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berlin _ 400

Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Fahrt,
voller Abenteuer und Erkenntnisse.
Die Lästrygonen und Zyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht,
solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden,
wenn dein Denken hochgespannt, wenn edle
Regung deinen Geist und Körper anrührt.
Den Lästrygonen und Zyklopen,
dem wütenden Poseidon wirst du nicht begegnen,
falls du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
falls deine Seele sie nicht vor dir aufbaut.

Wünsch dir eine lange Fahrt.
Der Sommermorgen möchten viele sein,
da du, mit welcher Freude und Zufriedenheit!
In nie zuvor gesehene Häfen einfährst;
Halte ein bei Handelsplätzen der Phönizier
Und erwirb die schönen Waren,
Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz
Und erregende Essenzen aller Art,
so reichlich du vermagst, erregende Essenzen,
besuche viele Städte in Ägypten,
damit du von den Eingeweihten lernst und wieder lernst.

Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
Und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, dass Ithaka dir Reichtum gäbe.

Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.

Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.

Κωνσταντίνος Καβάφης

Ιθάκη

Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη,

να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος,

γεμάτος περιπέτειες, γεμάτος γνώσεις.

Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,

τον θυμωμένο Ποσειδώνα μη φοβάσαι,

τέτοια στον δρόμο σου ποτέ σου δεν θα βρεις,

αν μέν’ η σκέψις σου υψηλή, αν εκλεκτή

συγκίνησις το πνεύμα και το σώμα σου αγγίζει.

Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,

τον άγριο Ποσειδώνα δεν θα συναντήσεις,

αν δεν τους κουβανείς μες στην ψυχή σου,

αν η ψυχή σου δεν τους στήνει εμπρός σου.


Να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος.

Πολλά τα καλοκαιρινά πρωιά να είναι

που με τι ευχαρίστησι, με τι χαρά

θα μπαίνεις σε λιμένας πρωτοειδωμένους·

να σταματήσεις σ’ εμπορεία Φοινικικά,

και τες καλές πραγμάτειες ν’ αποκτήσεις,

σεντέφια και κοράλλια, κεχριμπάρια κ’ έβενους,

και ηδονικά μυρωδικά κάθε λογής,

όσο μπορείς πιο άφθονα ηδονικά μυρωδικά·

σε πόλεις Aιγυπτιακές πολλές να πας,

να μάθεις και να μάθεις απ’ τους σπουδασμένους.


Πάντα στον νου σου νάχεις την Ιθάκη.

Το φθάσιμον εκεί είν’ ο προορισμός σου.

Aλλά μη βιάζεις το ταξείδι διόλου.

Καλλίτερα χρόνια πολλά να διαρκέσει·

και γέρος πια ν’ αράξεις στο νησί,

πλούσιος με όσα κέρδισες στον δρόμο,

μη προσδοκώντας πλούτη να σε δώσει η Ιθάκη.


Η Ιθάκη σ’ έδωσε τ’ ωραίο ταξείδι.

Χωρίς αυτήν δεν θάβγαινες στον δρόμο.

Άλλα δεν έχει να σε δώσει πια.


Κι αν πτωχική την βρεις, η Ιθάκη δεν σε γέλασε.

Έτσι σοφός που έγινες, με τόση πείρα,

ήδη θα το κατάλαβες η Ιθάκες τι σημαίνουν.



Quelle:

http://www.kavafis.de/ http://www.kavafis.de/

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berlin _ 399 _ zwischen den Welten (5)

Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Erfahrungen und Erwartungen, zwischen gestern und morgen. Den ersten Schritt in die Draußen-Welt noch nicht getan, nur aus dem Fenster schauend, in eine regenfeuchte, wintergraue, stille Welt. Noch nicht ganz sicher, dass da wirklich 365 Tage bereit stehen unter dem Zeichen der 21. Noch verhaftet in den Gedanken und Gefühlen, die mich während der vergangenen Wochen beschäftigt haben.

Mundos intermedios _ Entre el pasado y el futuro, entre lo viejo y lo nuevo, lo visto y lo imaginado, las experiencias y expectativas, entre ayer y mañana. Aún sin haber dado el primer paso en el mundo exterior, solo mirando por la ventana, contemplando un mundo húmedo de una lluvia fina, envuelto en el manto gris del invierno sin nieve, y el silencio resacoso de una noche vieja muy particular que da fin a un año raro. Aún no segura si realmente habrá esos sabidos 365 días a disposición bajo el signo del 21, aún más sujeta en los pensamientos y emociones de las ultimas semanas.

Dazu gehört, unter anderem unterstützt durch die Unerbittlichkeit des Facebooks, die immer wieder alte Geschichten hervorholt, in einer ewigen Wiederkehr von Bildern, jedes Jahr aufs Neue wie ein kleines durchaus liebgewonnenes Ritual, die Erinnerung an die Geburtstage des KUKU, und dessen Schließung…. und an all den Menschen, mit denen ich eine Strecke meines Lebens gemeinsam gehen durfte, die mir lieb geworden sind, die ich vermisse, die ich hoffentlich bald wiedersehe…..

Parte de ello, respaldado entre otras cosas por la implacabilidad del facebook, que una y otra vez rescata de las narraciones virtuales textos y fotos de momentos lejanos en el tiempo, son los aniversarios del KUKU, también su cierre….. Pero sobre todo me trae, como un ritual querido, el recuerdo a toda buena gente con la que compartí ahí un tramo de mi vida, buena gente que aprendí a querer como mi pequeña famila, gente que echo de menos, gente a la que espero poder volver a ver pronto….

Eine bessere Motivation kann ich mir kaum vorstellen…

Difícil imaginarme una motivación mejor……

Un fuerte abrazo. Y si he puesto el poema da Kavafis en el tapiz ha sido pensando en vosotros.

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berlin _ 398 _ KUKUmobil

[de] Dass 2020 ein außergewöhnliches Jahr für uns alle war, muß, glaube ich, nicht noch einmal ausgeführt werden. Dass es für einige von uns aber trotzdem auch Situationen gebracht hat, die aus der individuellen Perspektive heraus als durchaus positiv zu bewerten sind, sollte hin und wieder gesagt werden, um diesem Jahr etwas von der Bürde, der Anstrengung und der Erschöpfung zu nehmen, die es auf gesamtgesellschaftlicher Ebene bedeutet hat.

[es] Que el año que acaba haya sido un año excepcional, es un hecho en el que no hace falta reparar para explicarlo. Que, a pesar del impacto general, haya traido situaciones que desde una perspectiva individual resultaron positivas es algo, que sí creo que es merecedor de ser recordado, para quitarle un poco de la carga, del agotamiento y el esfuerzo de la permanente renuncia y prudencia, con la que hemos vivido semana tras semana de este año que acaba hoy.

[de] Für mich hat dieses Jahr beides gebracht, vor allem aber viel Zeit, um meinen Teppich voran zu bringen. Zeit, um die ich sonst hätte kämpfen müssen. Zeit, die mir jetzt gegeben war und die ich, dankbar inmitten der allgemeinen Anstrengung, versucht habe, konsequent zu nutzen.

[es] Para mi, este año ha significado poder avanzar en el tapiz, tener a disposición tiempo por el que en otros momentos hubiera tenido que pelear. Tiempo y calma, que surgieron en medio de una gran turbulencia de excepcionalidades.

[de] Und es hat mir einen liebevollen Schubs gegeben und mich auf den Weg gebracht, um -viel schneller als gedacht- den Traum vom KUKUmobil Wirklichkeit werden zu lassen. Heute werde ich den Schritt ins neue Jahr voller freudiger Erwartung tun. Und ich werde mich bemühen, euch mitzunehmen auf diesem Weg.

[es] Y me ha dado un cariñoso empujón para ponerme en camino, mucho más rápido de lo esperado, para convertir el sueño del KUKUmobil en realidad. Así que hoy daré el paso para entrar en un año nuevo, lleno de ilusión y confianza en la vida. Y prometo llevaros conmigo para hacer juntos este camino, aunque sea de forma virtual. Al final habrá un KUKUmobil, sobre ruedas. Con el que se pueden emprender viajes….

[de] Wenn alles gut geht, dann beginnt der Bau im Februar. Vor drei Tagen hat Kay den Trailer gebracht. Der steht jetzt vor der KMH und harrt geduldig der Dinge, die da kommen mögen. Und ich habe meinen ersten Einkauf getan. Kastensicherung. Tja, Eigentum verpflichtet. Ein seltsames aber durchaus auch prickelndes Gefühl.

[es] Si todo sale como previsto, empezamos la construcción en febrero. Hace tres días, Kay trajó la plataforma que desde entonces espera pacientemente delante de la KMH el inicio de las obras. Y yo he hecho mi primera compra. Un dispositivo de seguridad con candado. En fin, cosas de la propiedad. Una sensación rara que me produce un cierto hormigeo.

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berlin _ 397

Vorsätze. Gab es _ nicht, oder doch? Wollte gerade anfangen darüber zu schreiben, und dachte, ich schau erst einmal in den Tiefen dieses Blogs, was sich da so finden lässt, wenn man etwas gräbt.

Zwei Jahre tief, da finde ich das hier:

Januar 2018, da saß ich anscheinende mitten in einem Wirrwarr mit dem Bedürfnis, Ordnung zu schaffen _ in meinen Gedanken und Gefühlen, in meinen Plänen für die Zukunft.

Über Leitfäden habe ich damals geschrieben. Sinnvoll. Ja. Zwei Jahre lang habe ich mich jetzt darin geübt, nicht nur die bunten Fäden meiner Wirkerei in der Hand zu halten, sie zu verbinden, und mich darum zu kümmern, dass aus ihrer Vielfalt heraus das bunte Ganze entsteht, eine Geschichte erzählt, eine Vision greifbar macht…

Ganz andere Fäden habe ich versucht zusammenzufügen zu einem bunten, soliden, tragenden, schützenden, haltenden Ganzen. Tief hinein bin ich gerutscht in einen kollektiven Wirrwarr aus Träumen, Wünschen, Erwartungen, Verbindlichkeiten, Bedarfen und Bedürfnissen. Viel gelernt habe ich über mich, über die Menschen um mich herum. Nicht immer das, was oben auf meiner Liste stand, nicht immer so, dass es Spaß gemacht oder Freude bereitet hätte.

Manch ein Faden ist durchaus dabei, von dem ich froh sein werde, wenn ich ihn _ herausgelöst aus dem Wirrwarr und aufgewickelt zu einem kleinen festen Knäuel _ zur Seite legen kann für mögliche spätere Verwendungen. Man weiß ja nie, was das Leben noch so parat hat.

Es werden auch danach noch genug übrig bleiben, um alle Hände _und Füße_ voll zu tun zu haben.

Mein Vorsatz für 2021: mich sanft, leise und liebevoll herauszulösen. Achtsam genug, um keinen Faden zu zerreißen; geduldig genug, um jeden Knoten zu lösen; sorgfältig genug, um jedes Knäuel richtig zu wickeln und weitsichtig genug, um die richtigen bei mir zu tragen.

UND: Die anderen Fäden, die aus Wolle, Seide und Leinen keine Minute mehr aus der Hand zu lassen, bis der Teppich fertig ist, der gerade von meinem Webstuhl gehalten wird.

Beides große Herausforderungen. Möge 2021 mir Kraft und Muße geben, dies zu bewirken.

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berlin _ 396 _ textil

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berlin _ 395 _ fundstück

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berlin _ 394 _ KUKUmobil

So, jetzt geht es los. Diesen Sommer habe ich Kay kennengelernt. Kay Andrees ist Zimmermann mit Leib und Seele. Er hat zusammen mit Jochka von tinycollective im Rahmen des „Down to earth“-Festivals ein kleines Argumente-Haus am Gropius-Bau Berlin gebaut.

Ich habe ihn gefragt, ob er Interesse hat, die WanderndeWebWekstatt zu bauen. Und er hat JA gesagt.

Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen. Wie immer am Anfang eines solchen Projektes erfüllt mich eine tiefe Freude. Es fühlt sich alle stimmig an, die Zeit, der Ort, die Idee.

Natürlich wird auch die Angst vor der eigenen Courage manchmal laut, und das Loslassen und das Sich-Stück-für-Stück-reisebereit-machen ist oft einfacher zu denken als umzusetzen. Die Leichtigkeit und Sorglosigkeit zurückzugewinnen ist immer eine Herausforderung, gerade in dieser Zeit ist sie es noch einmal mehr.

Aber ich bin auch überzeugt davon, dass es an der Zeit ist. Zeit, diesen so lange schon gehegten Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Warum gerade jetzt?
Wann wenn nicht jetzt?
Noch dazu mit jemandem wie Kay an meiner Seite, mit seiner norddeutschen Unaufgeregtheit und Zuversicht. Und natürlich mit seiner Erfahrung und seinem Können.

Eigentlich kann ich es noch nicht so richtig fassen, aber doch:


#4,5m Trailer
# 5,2 m x 2,2 m Innenraum für Wolle, Webstuhl und Wirkerin
# 3,3 m Höhe mit Frackdach (hab ich gerade gegoogelt :))
# mit Lichtband im schmalen Dachteil
# mit großer 3m breiter Tür-Fenster-Front
# im Wechselbrückenprinzip, um den Trailer auch als Plattform zu nutzen

# mit Lust und Freude und hoffentlich mit eurer guten Energie

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berlin _ 393 _ textil

So viel zu berichten, so viele Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und so wenig Zeit um die richtigen Worte zu finden.

Manhmal sagt da ein Foto mehr:

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berlin _ 392 _ Fundstücke

Was mich bewegt

Man muss den Dingen die eigene,
stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und dann

Gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter
kein Sommer kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke, 1875 – 1926

Mein Fundstück von heute.
Ein wunderbarer Text.
Hilfreich in dieser _ auch für mich _
turbulenten Zeit.

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berlin _ 391

Ich habe im März meine Entscheidung getroffen, habe auf individueller Ebene definiert, wie ich mit der Pandemiesituation umgehen will, wieviel von meinem Leben ich diesem Virus geben will, oder eben nicht, und welche Konsequenzen ich bereit wäre zu tragen.

Seit dieser Zeit mache ich einen täglichen Spagat, denn im Verein ist meine individuelle Haltung als eine von vielen gefragt und ich bringe sie auch ein, aber als Gesamtheit und als Betreiber eines Begegnungsortes der mit öffentlichen Mitteln finanziert wird und Verantwortung hat für eine kleine Gruppe von Menschen, die hier ihren Arbeits- oder Einsatzort hat, die also nicht frei entscheiden kann, ob und unter welchen Umständen sie hier sind, ist meine Pflicht diese gemeinsam definierte Haltung und die Auflagen die für uns gelten umzusetzen und Rücksicht zu nehmen auf das Sicherheitsbedürfnis anderer.

Das ist nicht immer einfach. Viele Faktoren kommen zusammen, permanent rebelliert etwas in mir, vielleicht das, was allgemein als der gesunde Menschenverstand bezeichnet wird, dem möchte ich zuhören und dem möchte ich folgen, weil mir mein bisheriges Leben gezeigt hat, dass ich mich eigentlich recht gut auf ihn verlassen kann.

Ich weiss, ich weiss, er ist nicht bei allen da, oder nicht bei allen „gesund“, und auf Spanisch gibt es ein Sprichwort, dass da sagt: El sentido común es el menos común de los sentidos.

Und wenn es um die tiefe Verunsicherung geht, die viele Menschen gerade empfinden, vielleicht sogar um Angst, auch um Angst vor dem Tod, dann ist es nicht verwunderlich, wenn die Nervenkostüme Mancher immer dünner werden.

Da hilft es mir, neben dem Weben, das mich immer wieder in mir selbst die notwendige Ruhe und Gelassenheit finden läßt, Menschen zuzuhören, die mit einer angenehmen Unaufgeregtheit und klarem Verstand über die aktuelle Situation sprechen.

Seit Lea mit von ihr erzählt hat, habe ich eine weitere Stimme gefunden, die ich absolut hörenswert finde:

Be kind, be calm, be safe.

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berlin _ 390 _ fundstücke

Heute hat mir Holger ein Zitat mitgebracht, das ich sofort an meinen Webstuhl befestigt habe.

Es spricht mir aus dem Herzen:

“Ein Meister der Lebenskunst trennt nicht Arbeit und Spaß, Arbeit und Freizeit, Körper und Geist, Ausbildung und Erholung. Er vermag beides kaum zu unterscheiden. Er verfolgt einfach bei allem, was er tut, seine Vorstellung von Vortrefflichkeit und überläßt es anderen, zu beurteilen, ob er arbeitet oder sich vergnügt. In seinen Augen tut er immer beides.”

François-René de Chateaubriand

Wunderbare Worte, die mir auch weiterhin ein Leitspruch sein werden. Ich weiß, dass sie nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, und ich daher immer mal wieder auf Unverständnis stoße. Ich weiß auch, dass diejenigen, die wir etwas in uns haben, dass es uns leicht macht, diesen Worten im Leben zu folgen, ein großes Geschenk besitzen.

Gerade in solchen turbulenten Zeiten bin ich mir dessen bewußt. Auch, dass es mir ein Bedürfnis ist, Wege zu finden, es mit anderen zu teilen.

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berlin_389_textil

Eine Stunde nur. Eine ganze volle Stunde. Wenn ihr eine Stunde Zeit erübrigen wollt, um in die Seele der Weberei hineinzuhören, um vielleicht besser zu verstehen, was auch mich füllt seit über drei Jahrzehnten, dann klickt gerne auf DIESEN LINK.

Er führt euch zu einem Hörspiel des Deutschlandfunk Kultur, auf das mich Manfred hingewiesen hat. Sonst wäre es mir entschlüpft.

Leben und Weben, für mich seit Jahrzehnten untrennbar miteinander verbunden.

„Visionen. Wandteppiche. Glück. Ich weiß nicht warum, eine große Traurigkeit.“

..

Harrania Bildteppich, Jahrmarkt im Dorf

Ein alter Tibetteppich

Deine Seele, die die meine liebet

Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet

Strahl in Strahl, verliebte Farben,

Sterne, die sich himmellang umwarben.

Unsere Füsse ruhen auf der Kostbarkeit

Maschentausendabertausendweit.

Süsser Lamasohn auf Moschuspflanzentron

Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl

Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon.

Else Lasker-Schüler.

Quelle: Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Im Auftrag des Franz Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar herausgegeben von Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedletzky. Bd. 1: Gedichte. Bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki unter Mitarbeit von Norbert Oellers. Frankfurt am Main 1996. Nr. 172. – Auch in: Else Lasker-Schüler: Sämtliche Gedichte. Herausgegeben von Karl Jürgen Skrodzki. Frankfurt am Main 2004 (unveränderte Nachdrucke 2006, 2011, 2013 und 2019). S. 120.

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berlin_388_zwischen den welten (4)

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berlin_387_#nah_bar_festival

Viele Fotos sind in den letzten zehn Tagen entstanden. Von Orten und UnOrten, von Veranstaltungen, Musiker:innen, Besucher:innen, vielen Dingen die „vor und hinter“ den „Kulissen“ geschehen sind.

René Greffin hat am Freitag bei dem Konzert von Trio Scho fotografiert und seine Kamera auch auf mich gerichtet. Eigentlich bin ich ja lieber hinter dem Sucher als vor ihm. Selten gibt es daher Fotos von mir.

Aber dieses gefällt mir so gut, dass ich es gerne mit euch teile. Ich finde mich wieder in diesem müden Gesicht, das gleichzeitig aber auch etwas von der inneren Gelassenheit zeigt, die an diesem Tag in mir war.

Danke René.

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berlin_386 zwischen den welten (3)

Gestern in der #KMH, ganz unerwartet, ein wunderbarer Brückenschlag zwischen den welten. DANKE Morgane.

L’avi Siset em parlava
De bon matí al portal,
Mentre el sol esperàvem
I els carros vèiem passar.
Siset, que no veus l’estaca
On estem tots lligats ?
Si no podem desfer-nos-en
Mai no podrem caminar !

(refrain)
Si estirem tots, ella caurà
I molt de temps no pot durar :
Segur que tomba, tomba, tomba !
Ben corcada deu ser ja.
Si tu l’estires fort per aquí
I jo l’estiro fort per allà,
Segur que tomba, tomba, tomba
I ens podrem alliberar.

Però, Siset, fa molt temps ja :
Les mans se’m van escorxant,
I quan la força se me’n va
Ella és més ampla i més gran.
Ben cert sé que està podrida
Però és que, Siset, pesa tant
Que a cops la força m’oblida.
Torna’m a dir el teu cant É

refrain

L’avi Siset ja no diu res,
Mal vent que se l’emportà,
Ell qui sap cap a quin indret
I jo a sota el portal.
I mentre passen els nous vailets
Estiro el coll per cantar
El darrer cant d’en Siset,
El darrer que em va ensenyar

refrain

Sonnig begann es zu tagen,
ich stand schon früh bei der Tür,
sah nach den fahrenden Wagen,
da sprach Alt Siset zu mir: 
Siehst Du den brüchigen Pfahl dort,
mit unsern Fesseln umschnürt,
schaffen wir doch diese Qual fort –
ran an ihn, dass er sich rührt! 

Ich drücke hier, und du ziehst weg,
so kriegen wir den Pfahl vom Fleck,
werden ihn fällen, fällen, fällen,
werfen ihn morsch und faul zum Dreck, 
Erst wenn die Eintracht uns bewegt,
haben wir ihn bald umgelegt,
und er wird fallen, fallen, fallen,
wenn sich ein jeder von uns regt. 

Ach, Siset, noch ist es nicht geschafft,
an meiner Hand platzt die Haut.
Langsam auch schwindet schon meine Kraft –
er ist zu mächtig gebaut. 
Wird es uns jemals gelingen?
Siset, es fällt mir so schwer! –
Wenn wir das Lied nochmal singen,
geht es viel besser, komm her! 

Ich drücke hier, und du ziehst weg,
so kriegen wir den Pfahl vom Fleck,
werden ihn fällen, fällen, fällen,
werfen ihn morsch und faul zum Dreck, 
Erst wenn die Eintracht uns bewegt,
haben wir ihn bald umgelegt,
und er wird fallen, fallen, fallen,
wenn sich ein jeder von uns regt. 

Der alte Siset sagt nichts mehr.
Böser Wind hat ihn verweht.
Keiner weiß von seiner Heimkehr,
oder gar, wie es ihm geht. 
Alt Siset sagte uns allen,
hör’ es auch du, krieg’ es mit:
Der alte Pfahl wird schon fallen,
wie es geschieht in dem Lied!. 

Ich drücke hier, und du ziehst weg,
so kriegen wir den Pfahl vom Fleck,
werden ihn fällen, fällen, fällen,
werfen ihn morsch und faul zum Dreck, 
Erst wenn die Eintracht uns bewegt,
haben wir ihn bald umgelegt,
und er wird fallen, fallen, fallen,
wenn sich ein jeder von uns regt.

german version by Hein & Oss Kröher
https://www.antiwarsongs.org/canzone.php?id=2320&lang=en#agg2415

L’Estaca

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berlin _ 385 _ zwischen den welten (2)

Seit eineinhalb Jahren, so lange wie ich jetzt mit der #KulturMarktHalle verbunden bin, kenne ich Anwar Al Atrash. Er ist einer von den ersten, von Anfang an mit dabei, bei diesem Projekt, dass mich so in seinen Bann gezogen hat.

Wir sind gemeinsam im Ausstellungsteam, seit einigen Monaten auch gemeinsam im Vorstand, und im Rahmen seines Projekts „Ergänzung der Vision“ hatte ich Gelegenheit, einen kleinen textilen Beitrag zu gestalten.

Am meisten aber sind es die vielen Gespräche der letzten Monate, die mich vertraut gemacht haben mit seiner Art und Weise die Welt, die Kunst, die Gleichberechtigung, das Vertrauen, die Freundschaft zu verstehen.

Ich mag ihn als Mensch, ich mag seine Kunst und ich bin froh ihn als Kollege an meiner Seite zu wissen. Gerne habe ich mich daher, als er mich fragte, bereit erklärt, das kleine Bindeglied zu sein in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Leider spreche ich seine Muttersprache nicht, wir reden Englisch miteinander und es ist oft frustrierend für mich, angesichts meiner eher begrenzten Englischkenntnisse, die einfach nicht ausreichen, um mich verständlich zu machen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass er mich versteht. Zwischen den Welten, aus denen wir kommen, gibt es eine, die wir gemeinsam haben.

Und ich liebe es, ihm zuzuhören, wenn er in seiner eigenen Sprache spricht, auch wenn ich kein Wort verstehe.

Irgendwann wird dieses Video sicherlich ins Englische übersetzt. Aber wer weiss, wo ich dann sein werde. Daher hier erst einmal die arabische Fassung. Irgendwo zwischen der 14. und 18. Minute kommt unsere kleine Begegnung. Irgendwie witzig, auch etwas seltsam, zwischen den Welten zu stehen.

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berlin _ 384 _ zwischen den welten (1)

„orth, unorth, ewigkeit, zeit, nacht, tag.“

„Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“

„Wabi-Sabi nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache Wahrheiten anerkennt: nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt.“ (Richard R. Powell)

Wenn es zum Stillstand am Webstuhl kommt, bedeutet das meist nicht, dass NICHTS passiert, sondern „nur“, dass die Energie gerade in einer anderen Welt eingebunden ist, manchmal einem eigenen Bedürfnis folgend, manchmal aus ganzheitlich empfundener Wahrnehmung, manchmal aus fremdbestimmter Notwendigkeit.

Seit zwei Wochen ungefähr, oder sogar drei, sind meine Energien eingebunden im nah_bar_festival, das die #KulturMarktHalle organisiert und realisiert. Zu Beginn der Planung des Festivals habe ich eine gewisse Verantwortung übernommen, und daher für mich entschieden, meinen Platz vor dem Webstuhl und den Platz in meinem Herzen und meiner Seele, den die Weberei einnimmt, für eine kleine Weile zu verlassen und mich mit eben soviel Hingabe dem Festival zu widmen.

Nun sind sechs von den geplanten zehn Tagen vorbei. Am siebten Tag kommt es mir zu, einen Teil des Programms, das an jedem Tag einen besonderen Spaziergang durch den Kiez und eine Konzert oder eine Tanzperformance an einem besonderen Ort miteinander verbindet, zu gestalten.

Seitdem ich diesen Kiez begehe, und das sind inzwischen zwei Jahre, gibt es Orte, die mich besonders anziehen, mich tief berühren und immer wieder einladen, an ihnen zu verweilen.

Ich habe sie UNORTE genannt und meine Tour trägt dementsprechend den Titel: „Un_Orte. Vom Menschen vergessen – von der Natur erkannt.“ Orte zwischen zwei Welten.

Carlotta, die das Festival mit ihrer Kamera begleitet und jeden Tag das Geschehen in einem kleinen Video zusammenfasst, hat es auch an diesem 1.Oktober getan. Es war der erste Herbstnebeltag, der den Spaziergang in eine ganz besondere Atmosphäre gehüllt hat.

Ich habe eine wunderbaren Text zu den UNORTEN gefunden, den ich gerne in Auszügen mit euch teilen möchte. Er stammt von Fabian Müller und veröffentlicht wurde er in den Starnberger Heften.

Fabian Müller: Unorte

Abgrenzung und Definition

Fällt einem auf die Schnelle keine griffige Definition des Wortes »Unort« ein, so liegt dies möglicherweise daran, dass es bereits zum Erscheinen des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm (DWB) im Jahr 1838 als unüblich galt und zwischenzeitlich als ausgestorben betrachtet werden darf, bis es (…) als Übersetzung des englischen »uncommon place« (wörtlich: unüblicher Platz) verwandt wurde. Bei genauerer Auseinandersetzung ist der Unort jedoch weitaus mehr als nur ein unüblicher Platz.

Eine elegante Methode, sich einer Begriffsdefinition anzunähern, ist die Definition der Negation, oder anders ausgedrückt: Was ist ein Unort nicht? Die auffälligste Wortverwandtschaft besteht mit der Utopie (griechisch οὐτοπία: Nicht-Ort), doch anders als die Utopie sind Unorte Bestandteil unserer (…) Lebenswirklichkeit. Auch der Nicht-Ort (französisch non-lieu) des Anthropologen Marc Augé, ein einseitig genutzter Platz ohne Geschichte oder Identität wie etwa ein Einkaufszentrum oder eine Autobahn, übernimmt nur einen Teil der reichen Sprachgeschichte, die das Wort »Unort« im Deutschen begleitet. Verlassene Orte hingegen besitzen anders als der Nicht-Ort tatsächlich eine Geschichte; und sollten sie auch heute verlassen sein, so umgibt sie noch ein Nimbus, der sie von der vordergründigen Seelenlosigkeit des Unortes unterscheidet.

Unorte hingegen sind vom Menschen geschaffene Natur, und man verzeihe an dieser Stelle den Widerspruch zur Definition der Natur. Genauer formuliert sind Unorte Orte, die eine Abkehr (…) vom Hintergrundrauschen des Seins darstellen, also Struktur innehaben, aber nicht natürlich gewachsen sind, sondern ihre Daseinsberechtigung in schlichter Kausalität finden. Während ein Theater, ein Marktplatz, aber auch privater Raum wie eine Wohnung zu einem hohen Grad Selbstzweck sind, sind die Unterführung, die Autobahnraststätte, die Bahngeleise in erster Linie Kollateralen der Urbanisierung. Daraus ergibt sich eine Skala aus Ort und Unort, deren Maß Selbst- oder Mitzweck ist; eine binäre Einordnung ist folglich unmöglich.

Mit diesem Begriffskorpus gerüstet, lohnt sich eine etymologische Herangehensweise, um die Dimensionen des Begriffes genauer zu erfahren.

Etymologische Herangehensweise und Deutung

Einer Sekundärquelle zufolge findet sich eine Nennung des Unortes in frühen Auflagen des Grammatisch-kritischen Wörterbuches Adelungs unter dem Stichwort »Ungemach«, wo das Ungemach in seiner Bedeutung einer Kerkerzelle, die weder sitzen noch stehen erlaubt, als Unort bezeichnet wird. Das eingangs erwähnte Grimm’sche Wörterbuch führt unter dem Stichwort »Unort« auf: »UNORT, m.: orth, unorth, ewigkeit, zeit, nacht, tag Silesius wandersm. 30 ndr.; desertum Stieler 1396. unüblich. — «. Was auf den ersten Blick kryptisch erscheint, erhellt sich, wenn man die Definition eines Ortes im DWB heranzieht, die weitaus umfassender ist als die heutige Alltagsverwendung, genauer »ein von menschen besuchter und benutzter platz, ein platz des öffentlichen verkehrs«, suggeriert. So ist der Ort auch »himmelsgegend« (…) (Der Unort vielleicht „gottverlassen“?)

Weiterhin ist ein Ort nicht nur auf die vom Menschen scheinbar statisch erlebten Raumdimensionen beschränkt, sondern laut DWB in älterer Konnotation die Beschreibung eines Bereichs in der Raumzeit. Daraus lässt sich die Definition des verlassenen Ortes verfeinern: Der Nimbus, der Glanz des Gewesenen, herrscht nur dort, wo dieser Bereich auch die Vergangenheit vor dem Verfall mit einbezieht. Umgekehrt folgt daraus für die Unortsdefinition: Ein Unort ist unter Berücksichtigung der Zeit auch der unerfüllte Ort zwischen zwei Erfüllungen; die leere Oper zwischen zwei Aufführungen, das Schiff zwischen zwei Fahrten.

Doch noch eine weitere Bedeutung hält das DWB bereit, nämlich den Ort als Schneide, Spitze oder Schärfe. Über einen kleinen Brückenschlag würde damit aus dem Unort die Unschärfe: Orte liegen im Fokus, Unorte sind hingegen die Unschärfen im öffentlichen Raum.

Die Fotografie entwickelte beginnend in den 1960ern mit Stephen Shore und einen geschärften Blick für Unorte. Wo vorher von Zeit zu Zeit scheinbare Hässlichkeit und Identitätslosigkeit das urbane Bild durchbrachen, finden sich nun einzelne Inseln der Schönheit im schier endlosen Meer eines weitestgehend dienstbaren, aber auf den ersten Blick unästhetischen Organismus. Ist das nicht ein Verlust? Keineswegs! Erstens werden Unorte durch ihre Würdigung und das Erkennen ihrer ganz beifälligen Qualitäten gemäß dem japanischen Konzept des Wabi-sabi ihres Makels beraubt. Und zweitens gewinnt der schöne Ort erst dann wahrhaft an Bedeutung, wenn anerkannt wird, auf welch riesenhaften Schultern eines wohlgesinnten Molochs der Unorte er steht.

In diesem Licht erschließen sich auch die poetischen Worte des schlesischen Barockdichters Silesius im Wörterbuch der Gebrüder Grimm: »orth, unorth, ewigkeit, zeit, nacht, tag.«

Wabi-Sabi

Natürlich habe ich auch nachgesehen, wie Wabi-Sabi erklärt wird: Ursprünglich bedeutet Wabi sich elend, einsam und verloren zu fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit Sabi, alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet. Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren (Wilhelm Gundert)

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berlin _ 383 _ BGE

La pregunta más transcendental del mundo: ¿Qué haría yo si recibiese la renta básica? Creo que haría lo mismo que ya estoy haciendo, seguiría dedicándome al arte. Lo haría mejor, porque estaría más relajada, y tendría más energía para ello. Pero en el fondo eso no me parece lo más importante. Lo que realmente me parece importante es que me imagino que todo el mundo alrededor mio también tuviera la renta básica incondicional y que pudiéramos hacer cosas juntas. Y eso sería sumamente estimulante.

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berlin _ 382 _ offenes atelier in der KMH

Ich freue mich immer, wenn ich die Gelegenheit habe, meine Liebe zu den textilen Materialien und Techniken mit interessierten Menschen zu teilen. Diesmal ist die Freude besonders groß, weil ich diesen kleinen WS im Rahmen eines Projekts meines Kollegen Anwar Al Atrash geben kann.

Die Ergänzung der Vision ist eine Serie von Kunst-Workshops, die seit geraumer Zeit am Ende eines jeden Monats in der KulturMarktHalle stattfinden. Unterschiedliche Disziplinen werden ausprobiert, Techniken erkundet.

Vergangenheit und Zukunft ist ein spannender Untertitel, gerade bei Kulturtechniken, die uns schon seit gefühlten Ewigkeiten begleiten und für die Zukunft bereit stehen, wenn wir uns darum kümmern, sie lebendig zu halten.

Wir werden ein textiles Objekt, dem wir in unserem Leben einen besonderen Stellenwert geben als Grundlage nehmen, um genau diesen Spannungsbogen aufzunehmen und aus der Erinnerung in die Vision zu wandern.

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berlin _ 381 _ geschenk

Tuchfühler

Gestern wurde ich reich beschenkt. Valentin hat dieses Bild von mir gemalt. Anfangs war ich etwas beunruhigt angesichts der Armlosigkeit. Das war aber schnell  ausgeglichen durch die beiden Fühler auf dem Kopf.

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Danke, Valentin.

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berlin _ 380 _ offenes atelier in der kmh

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Und dazu ein wunderbarer Soundtrack.

Denn ich hatte euch schon irgendwann mal meine heimliche Liebe zu Island verraten, oder? Nun, hier eine Neuentdeckung:

Und dazu:

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berlin _ 379 _ fundstücke

Das Herz

Man soll es da lassen, wo es von Natur aus ist: am rechten Fleck. Es nicht hängen an Menschen, denn zu oft ist Flüchtigkeit die Grundlage der Beziehung, zu leicht kann Enttäuschung  sich einschleichen wie ein heimlicher Gast;
es nicht hängen an Orte, denn die ändern sich zu leicht, werden für neue Bestimmungen  erschlossen, von anderen eingenommen;
es vor allem nicht hängen an Dinge, denn Dinge können verloren gehen.

Und doch ist es mir passiert, hing mein Herz an zwei Stück Gewebe, die mich seit über dreißig Jahren begleiten. Dreißig Jahre, das ist mehr als die Hälfte meines Lebens.

Und dann kommen sie eines Tages in einem Beutel zu liegen, und eine Sekunde der Unaufmerksamkeit, der Erschöpfung geschuldet, reicht, um diesen Beutel, für immer aus meinem Leben zu entführen. Und  mit ihm ein Stück meines Herzens.

Unwiederbringlich.

Niemand kann dafür verantwortlich gemacht werden, in diesem Beutel voller textiler Objekte nicht das Gewicht der Erinnerung und der Bedeutung nachvollziehen zu können, die er für nur einen einzigen Menschen auf dieser Welt besitzt.

Die Erkenntnis es wider besseren Wissens doch getan zu haben, das Herz gehängt zu haben an ein Ding, wohl wissend, dass Dinge verlierbar sind,  macht die Trauer nicht kleiner.

Und manchmal sind es eben Dinge, an die unser Herz sich hängt, ungefragt, eben weil Menschen enttäuschen und weil Orte sich ändern und weil Dinge immer das sind und bleiben, was sie sind.

UnabDINGlich.

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berlin 378 _ fundstücke

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berlin _ 377 _ fundstücke

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berlin _ 376 _ #FreeAssange

Anfang September wird über den von den USA gestellten Auslieferungsantrag entschieden. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Julian Assange bis zu 175 Jahre Haft.

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DAS DÜRFEN WIR NICHT ZULASSEN.

Daher an alle von euch der Aufruf, euch gerade in dieser Zeit diesem Thema anzunehmen. Lasst uns zeigen, dass wir es trotz dieser elendigen Verschleppungstaktik NICHT vergessen haben. Lasst uns zeigen, dass wir die PRESSEFREIHEIT wichtig finden, lasst uns einen Menschen unterstützen, der ins Fadenkreuz internationaler Bestrebungen gekommen ist Grundrechte einzuschränken, weil er die Verteidigung des Rechts auf Information als Grundlage für Meinungsbildung zu seiner Aufgabe gemacht hat.

Ob gelbe Bänder, Filme, Petitionen…. bleibt dran!!!

Petition von Reporter ohne Grenzen

In der KMH werden wir im September den Film „Hacking Justice“ noch einmal zeigen und darüber diskutieren. Mit etwas Glück vielleicht auch noch einmal in Gegenwart der beiden Filmemacher: Clara López Rubio, Juan Pancorbo.

Schaut immer mal wieder auf die Website der KMH, damit euch der Termin nicht entgeht.

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berlin_375_KMH_Lesebühne

Ihr Lieben, am vergangenen Sonntag htten wir uns in der KMH vorgenommen, eine kleine Lesebühne am KMH-Mobil stattfinden zu lassen. Leider ist sie nicht nur sprichwörtlich ins Wasser gefallen, sondern ein sommerlicher Wolkenbruch hat uns dazu gebracht, die Veranstaltung abzusagen.

Nun hatte ich aber meine Bücher schon zusammen gesucht. Und weil dem so ist, und ich hier im Blog ja auch gerne von Dingen berichte, die eher indirekt mit der Bildwirkerei, aber sehr direkt mit mir zu tun haben, möchte ich zumindest diesen Beiträge doch noch mit euch teilen.

 

Und auch gleich den Faden weiterspinnen: Am 6.09. 2020 findet im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals ein Lesetag statt, der um 8:00 Uhr beginnt und um 22:00 Uhr endet. Dazu seid ihr alle eingeladen.

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Die IDEE:

Ort.
Die Auswahl des Leseortes steht Ihnen frei – es kann in der U- oder S-Bahn, vor der eigenen Haustür, im Nachbarschaftsverein oder Kiezbuchladen, im Lieblingscafé oder im Späti Ihres Vertrauens, in einer Galerie oder auf öffentlichen Plätzen, im Schwimmbad oder im Park gelesen werden. Wenn Sie gerne in einer unserer Partnerbibliotheken, einer Buchhandlungen oder literarischen Institutionen lesen würden, vermitteln wir gerne den Kontakt.

Dauer.
Eine Lesung sollte nicht länger als 30 Minuten dauern.

Sprache.
Es kann in jeder Sprache gelesen werden. Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung an, welche Texte in welcher Sprache gelesen werden.

Anmeldung.
Bitte melden Sie Ihre Lesung bis spätestens 30. August 2020 hier an:

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MEIN BEITRAG

Ich habe mir ein Buch ausgesucht, auf das ich SEHR gespannt bin: Han Kang »Die Vegetarierin« (Original: »The Vegetarian«).

https://www.perlentaucher.de/buch/han-kang/die-vegetarierin.html

Und werde am 6.09 zu Beginn einer jeden Stunde an einem anderen Ort 10 Minuten aus diesem Buch lesen.

START und ENDE auf alle Fälle am KMH-Mobil vor der KMH-Halle, Hanns-Eisler-Strasse 93, Ecke Kniproder-Strasse.

 

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berlin _ 374 _ offenes atelier in der kmh

4 Monate und einen Tag…

….hat es diesmal gedauert, bis der Teppich eine Höhe erreicht hat, die das Weiterweben extrem unbequem macht und erklärt, warum manche Dinge besser auf einem Webstuhl und nicht auf einem Webrahmen gewebt werden.

Wenn der Horizont außer Reichweite geraten ist, kommt der erste bedeutende Augenblick im Leben einer Bildwirkerei: sie muss auf den Warenbaum aufgerollt und neue Kette vom Kettbaum gelöst werden, damit sie weiter wachsen kann. Dann ist es so, als ob die Spannung, die die Fäden der Kette verlieren auf einen selbst überspringt.

Und man bekommt einen ersten Eindruck davon, wie sich das Gewebe verhalten wird, wenn es ganz aus dem Webstuhl genommen werden kann.

Sorgfalt und Ruhe sind hilfreich dabei den Teppich wieder in Arbeitsposition zu bringen. Wenn alles gut geht, sich nichts verschiebt, verzieht oder vorzeitig löst, dann ist es mit relativ wenigen Handgriffen getan. Es reicht, den richtigen Sitz des Entwurfes zu überprüfen, die Abstände einzurichten….

….. und für die gleichmäßige Spannung der Kette zu sorgen. Schon toll, mein Telemach. Jedes Mal verliebe ich mich aufs Neue in ihn. Er macht mir diese heiklen Momente so einfach.

Auch in mir verschiebt sich mit jedem dieser Schritte die innere Landschaft. Die vielen Stunden Arbeit aus dem Blick zu verlieren und doch zu wissen, dass sie weiterhin dort sind und das Kommende tragen, hat für mich seit meinem ersten Teppich vor über 30 Jahren eine ganz besondere Kraft.

Jetzt gibt es erst einmal wieder Freiraum für drei weitere Monate intensiver Wirkerei.

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