berlin _ 421 _ textil _ fadenguerilla

Möglicherweise der Beginn einer wunderbaren Beziehung.

Gestern kam ein zweites Peace dazu. Kaum war es angebracht, da war es auch schon wieder verschwunden. Es muß jemandem wohl gut gefallen haben. Will ich mal annehmen.

Und heute, aus gegebenem Anlass, waren es die drei Farben ROT, GELB und VIOLETT, die Peace 3 bestimmt haben.

90. Jahrestag der Verkündung der 2. Republik in Spanien. Ein ganz besonderer Tag für alle, die davon überzeugt sind, dass irgendwann die Dritte Republik kommen wird, und die aus dieser Überzeugung heraus beharrlich darum streiten, dass dieses IRGENDWANN ein BALD, ein JETZT und HIER wird.

Ein „abrir y cerrar de ojos“, nur einen flüchtigen Augenblick lang hat die Beziehung zwischen diesem Peace und dem Baumstumpf gehabt. Irgendjemandem hat auch die nicht behagt.

Ich werde der Versuchung wiederstehen, meine Peaces anzutackern, aber ein wenig traurig macht es schon.

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berlin _ 420 _ textil _Künstlerresidenz in der KMH

FERTIG sieht anders aus!! Frühling übrigens auch.

ABER ich habe es tatsächlich geschafft. Auf dem Meridian meines zweiwöchigen Osterurlaubs habe ich gestern Nacht den Gipfel erreicht, habe die Kante berührt, habe mir einen Moment vorgestellt, wie die Schere die Kettfäden durchtrennt und versucht, mich daran zu erinnern, wie sich das Gewicht von eineinhalb Jahren Lebenszeit und 5 Kilo Wolle in meinen Armen anfühlt.

Jetzt, wo der Bann gebrochen ist, weiss ich aus Erfahrung, dass es keinen Halt mehr gibt. Dass die Energie sich bewegt, dass nach und nach Kapitel abgeschlossen werden, dass eine tiefe Leere auf mich wartet und das Cocktail aus Verlust, Orientierungslosigkeit, Schwindelgefühl und Vertrauen darin, einmal mehr in der Lage zu sein, diese Leere wieder zu füllen, mit einem neuen, mit dem nächsten Projekt.

Im Stillen, ganz für mich, würde ich mir wünschen, diese Arbeit in einem Monat abgeschlossen zu haben.

Fertig und frei. Und traurig und froh.

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berlin _ 419 _ ein halbes Leben

28. Wozu Worte?!

(noch) 57 + 28 = 85. Naja, heutzutage wird man anders alt. Die Lebenserwartung von Frauen liegt in Deutschland derzeit bei 83,7. In Spanien bei 85,1. Ob jetzt meine 30 Jahre in Spanien ausreichen? Oder sind es doch die Gene und nicht die Sonne, der Wein, das gute Essen und die weise Lebensart?

Aber ein Lied?

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berlin _ 418 _ Künstlerresidenz in der KMH

Wie vor Jahr und Tag webe ich dich doch

vielleicht klarer nur und bewußter noch……

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berlin _ 417 _ künstlerresidenz in der #KMH

Vor einem Jahr sah es so aus an meinem Webstuhl. Mit viel Mühe hatte ich einen ersten Anstoß gegeben, die ersten Farben und Formen festgelegt, zögerlich die Raute ausprobiert und war mir bewußt, dass ein langer Weg vor mir liegt. Wie herausfordernd die Umsetzung des Offenen Ateliers inmitten des KMH-Kosmos sein würde, konnte ich nicht abschätzen, das haben Experimente so an sich.

Ein Jahr schien mir eine gute Zeit, überschaubar, ein Zeitraum, auf den man sich einlassen kann, ohne seine Lebenszeit zu seht zu „hypothekieren“. Ein Jahr nach Beginn des Lockdowns habe ich es trotz der allerbesten Vorsätze nicht geschafft, den Teppich fertig zu weben. Leben ist unvorhersehbar, Leben ist selten geradlinig, Leben ist wie es ist.

Für mich ist Weben Leben und Leben Weben. Beides bedingt sich, beides ist so sehr miteinander verschmolzen wie siamesische Zwillinge. Ob sie überlebensfähig sind, wird gerade das Leben mir zeigen. Eine Trennung kommt mir nicht in den Sinn. Alleine bei der gedanklichen Übung, mich in der Situation zu sehen mich _für den Fall der Fälle _ für das eine oder das andere entscheiden zu müssen, sträubt sich alles in mir mit solch einer Vehemenz, dass ich kaum Luft bekomme.

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berlin _ 416 _ fundstücke

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berlin 415 _ fundstücke

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414 _ welt _ frauen _ kampf

Irgendwann wird dieser Tag vielleicht wirklich ein Tag sein, an dem wir „nur noch“ gemeinsam feiern können, weil es an der Front der Gleichberechtigung der Frau weltweit nichts mehr zu kämpfen gibt. Und selbst dann werden wir immer achtsam sein müssen, damit dieser Kampf nicht umsonst gewesen ist.

Achtsam, bis eine Welt in Ungleichheit gar nicht mehr vorstellbar ist.

Dahin ist es ein langer Weg, den wir gemeinsam gehen werden. Ohne Angst, ohne Zögern. Mit einer tief empfundenen Verbundenheit. Mit Zuversicht, mit Mut und Kraft, und mit Liebe.

Jede von uns, jeden Tag, dort, wo das Leben sie hingestellt hat, dort wo sie sich verortet fühlt, dort wo es Ungerechtigkeiten gibt, große, kleine, alltägliche, systemische…..

Jeder Widerstand ist wichtig, jeder Kampf ist wichtig, jedes Einfordern gleicher Rechte, gleicher Behandlung, jede Unterstützung….

Gemeinsam.

Allen meinen Schwestern, den großen und den kleinen, den alten und den jungen, den weisen, den erfahrenen, den offenherzigen und denen, die darum kämpfen nach negativen Erfahrungen ihre Lebensfreude wiederzufinden, den verletzten, den trauernden, den starken und den schwachen, den mächtigen und denen, die sich ohnmächtig und hilflos fühlen, allen: ein liebevoller Gedanke in tiefer Verbundenheit, Kraft, Mut und Zuversicht.

Nicht nur heute, der Kampf findet jeden Tag statt, überall.

Aber HEUTE ganz besonders.

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413 _ berlin _ textil _ künstler:innenresidenz in der KMH

Es geht. Voran.

Grün. Sozusagen.

Ende in Sicht. Bald.

Frei. Jeder für sich.

Ich. Du. Sie und …pi.

Er _ leichter _ ung.

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412

Nicht müde werden

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Hilde Domin

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411 _ berlin _ zwischen den welten

Drinnen und Draußen. Danke Joschka.

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410 _ zwischen den welten

Vor ein paar Tagen hat eine Bekannte auf meiner Facebookseite _ja, ich bin immer noch dort, und in solchen Momenten bin ich froh darüber_ einen Link mit mir geteilt.

Neugierig bin ich dem verführerischen Fadenende gefolgt. Wen wundert es: „The Woven Sounds“ würde jeden Weber, jede Weberin aus der Reserve locken.

Dabei bin ich auf ein spannendes Projekt gestoßen: Roots Revival, ein internationales Kultur-Projekt, das professionelle Musiker:innen aus vielen Ländern zusammenbringt, in dem Bemühen, die verschiedenen Stile, Traditionen und Instrumente, die kennzeichnend sind für jede geographische Gegend, aus denen sie kommen, miteinander zu verbinden und so eine Brücke zu schlagen zwischen den Kulturen .

Das Konzept für dieses Projekt entwickelte Mehdi Aminian.

Schaut gerne mal auf die Seite und lasst euch inspirieren.

Die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Das ist ein wichtiges Thema und sollte viel mehr Aufmerksamkeit erhalten, denn so Vieles geht uns verloren in einer Unbedachtsamkeit, Unaufmerksamkeit und ich denke auch Überheblichkeit. Jahrhunderte wurden Techniken entwickelt, verfeinert, vertieft und verbreitet. Millionen von Menschen haben Hundertmillionen von Stunden ihrer Lebenszeit damit verbracht, teils mit Leidenschaft und Liebe, teils mit Leid und Entbehrung. Immer aber mit einer Wahrhaftigkeit des lebendigen Seins.

Gerade jetzt, wo wir uns zusehends Gedanken machen über die Bedeutung und Wichtigkeit der Spiritualität für uns Menschen, der Hinwendung zu einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt, sollten wir auch die jahrhundertealten Schätze des kollektiven Gedächtnisses, in denen gerade so vieles davon aufbewahrt wird, nicht außer Acht lassen und uns viel mehr darum kümmern.

Gesänge als Mittel zur Vorgabe gemeinschaftlicher Rhythmen, vor allem beim Arbeiten, ist sicherlich nichts Neues. Es gab sie in allen Kulturkreisen und in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen. Aber ihr versteht sicherlich, dass mich der Gesang der Web- bzw, der Knüpfmuster schon auf eine besondere Art berührt.

Auch wenn ich webe und nicht knüpfe, auch wenn ich normalerweise alleine arbeite und nicht gemeinsam mit anderen, auch wenn ich nicht in Wiederholungen konzipiere sondern in Einmaligkeiten, kann ich Mehdi Aminian nur dankbar sein dafür, dass er diese kleinen Schätze so liebevoll bewahrt hat.

Hier also die vier Videos, die im Rahmen dieses Projekts unter dem Titel „The woven Sounds“ entstanden sind.

This is a demo of a documentary made by Mehdi Aminian on the Singing Cultures of Carpet Weavers Iran.
„The Woven Sounds“ project aims at documenting the intangible cultural heritage, the singing style, music styles around the process of carpet weaving in Iran. It focuses, in particular, on Naqshe Khani, a process in which someone with a loud and clear voice recites or sings the patterns from a map or memory to her/his co-weavers.
Evidence suggests that this highly endangered genre had been a widespread tradition in Iran for many centuries. So far, there are little to no studies or presentations on this topic and this documentary movie is the first visual material that testimonies this vanishing culture.
„The Woven Sounds“ is a research project at the Austrian Academy of Sciences (OEAW) within the Commission Vanishing Languages and Cultural Heritage (VLACH) in collaboration with Roots Revival.

This ongoing project is carried out by Mehdi Aminian and his team: Director/Camera/Transcription/Edit: Mehdi Aminian. Interview: Mehdi Aminian, Mahsa Vafaei. Sound: Mehdi Aminian, Ioana Nechiti, Mahsa Vafaei. Assistants: Ioana Nechiti. Mahsa Vafaei. Project Supervisor: Prof. Thede Kahl. Winter & Spring 2018

Yar gal ay gal – Come, oh beloved, come

This is an example of singing culture of Qashqai nomads in Iran during the process of Kilim and Carpet weaving. „The Woven Sounds“ project by Mehdi Aminian aims at documenting the intangible cultural heritage, the singing style, music styles around the process of carpet weaving in Iran. „The Woven Sounds“ is a research project at the Austrian Academy of Sciences (OEAW) within the Commission Vanishing Languages and Cultural Heritage (VLACH) in collaboration with Roots Revival. This ongoing project is carried out by Mehdi Aminian and his team: Director/Camera/Transcription/Edit:
Mehdi Aminian/ Interview: Mehdi Aminian, Mitra Harandi, Mina Harandi. / Sound: Mehdi Aminian, Mitra Harandi, Mina Harandi. Assistants: Mitra Harandi, Mina Harandi. Dec 2018 – Jan 2019

This part of the demo is about „Naqshe Khani (Pattern Singing) the term Mehdi Aminian gave to this Vanishing Genre. Naqshe Khani (Patterns Singing) is a mechanism of singing the patterns of the carpet to the other co-weavers. This highly endangered cultural heritage has been a wide spread tradition in Iran, having its own complex lexical and diverse musical structure depending on the region it is being carried out.
To this date, no documents, studies or presentations on this topic could be found and the upcoming documentary is the first attempt to document this rapidly vanishing intangible heritage.
Mehdi Aminian is creating a documentary on this topic based on his research materials gathered in different regions in Iran in the past year. He is also writing his PhD on this topic at the University of Vienna. „The Woven Sounds“ is a research project at the Austrian Academy of Sciences (OEAW) within the Commission Vanishing Languages and Cultural Heritage (VLACH) in collaboration with Roots Revival.

„I weave the dense Kashi carpet
Even if my fingers bleed
Despite this, I am a weaver, a weaver
If I stay home I will remain blanket-less
I am always blanket-less“

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409 _ berlin _ KUKUmobil

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Aus Frühling wird Herbst. Vielleicht passt da die Schafwolldämmung noch einmal besser und lässt sich gleich erproben?!

Jetzt ist erst einmal Kuscheln angesagt und Nase reinstecken in dieses weiche, wollige Etwas.

http://www.lehner-wool.com

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408 _ auf reisen _ zwischen den welten

Natürlich grabe ich auf der Suche nach Webstationen für die Reise mit der WanderndenWebWerkstatt zuallererst in meiner eigenen Vergangenheit, in meinem inneren Adressbuch der Begegnungen, das das Leben mich hat schreiben lassen. Zwischen Zeiten, Räumen und Erlebtem Fäden zu spannen und einen bunten Teppich zu weben, wird einer der Schwerpunkte des Projekts sein.

Zu den zahlreichen Anknüpfungspunkten gehört diese wunderbare Projekt, von dem ich euch berichten möchte. Sein Titel: „Anudando„[verknoten, Verbindungen knüpfen], dahinter steht, unter anderem Tierravoz Producciones, federführend für die Umsetzung im medialen Bereich, der Kommunikation und Bildung. Und hinter Tierravoz steht eine liebe Freundin von mir: Carmen Comadrán.

Vor langer Zeit schon hatte sie mir von diesem Projekt berichtet, und wir waren beide angetan von den Verknüpfungen, die sich über seinen Rahmen hinaus mit unser beider Biographien ergaben. Carmen kommt aus Bejar, ihr Vater war in der Textilindustrie unterwegs. Sie ist groß geworden in dieser Welt. Ich komme aus Ennepetal, nicht weit entfernt vom Reiseziel der Gruppe von 43 Frauen, über die dieser Dokumentarfilm berichtet. 43 Frauen, die sich am 19.03.1960 auf den Weg machten nach Lennep, Frauen, die als erste den Schritt in eine fremde Welt gewagt haben. Fremd bis auf eins: die Arbeit an den Spinnmaschinen.

Der Film berichtet von ihrer Zeit in Deutschland, aber auch von der Rückkehr nach Spanien und dem, was es bedeutet hat, für diese Frauen, aber auch für ihre Familien und ihr soziales Umfeld, nach einem Leben in einer ganz anderen Gesellschaft als der spanischen, dorthin zurückzukehren, wo ihre Reise begann.

Bejaranas en Alemania, las primeras trabajadoras de la emigración.

Und wie so oft ist Carmens Blick ein ganz besonderer, ein Blick auf das, was so oft viel zu wenig Beachtung findet. Natürlich könnte man hier eine Lanze brechen für die qualitativ hochwertige Textilproduktion in Béjar. Aber darum geht es ihr nicht in diesem Filmprojekt. Ihr geht es darum zu berichten, welch wichtige Rolle den Frauen in der Textilproduktion zukam.

«Bejaranas en Alemania, primeras trabajadoras de la emigración» [Bejaranas in Deutschland, die ersten Emigrantinnen] erzählt die Geschichte einiger dieser Frauen und damit der Textilindustrie hier und dort. Und sie tut es ganz bewußt aus der Geschlechterperspektive.

Übrigens, die Firma von damals, die Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn ist inzwischen Geschichte. 1996 schloss sie für immer ihre Tore als eines der letzten deutschen Opfer im Konkurrenzkampf der internationalen Textilindustrie. Seit 1997 pflegen die Mitglieder des Johann Wülfing & Sohn Museum e.V. die Erinnerungen an ihre versunkene Welt und machen sie für Interessierte zugänglich.

Hier auch ein kurzes Video über das Tuchmuseum Lennep. Tja, irgendwie sollte man jetzt diese beiden Welten wieder zusammen bringen, finde ich. Anudar, Verbindung knüpfen….

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407 _ auf reisen

Nach Burg. Im Zug. Mit jedem Umsteigen wurde er langsamer, kürzer und leerer. Und die Landschaft, die Landschaft wurde immer flacher, immer ruhiger, immer unaufgeregter.

Welch wunderbares Wort, das ich immer mit dem Norden verbinden werde, egal in welcher Gegend. Selbst die Asturianer und Galicier sind unaufgeregt, im Vergleich zu den Andalusiern.

Erster Halt: HAMBURG. In einem anderen Moment meines Lebens hätte ich mich gefreut, zwei Stündchen Aufenthalt zu haben. Ein Besuch in der Kunsthalle wäre naheliegend gewesen. Aber das NAHE geht ja gerade nicht.

Absurd, diese Situation. Selbst vor der Reise hatte ich einen kurzen Moment der coronabedingten Irritation. Schoß mir doch tatsächlich die Frage durch den Kopf, was ich denn sagen würde, würde ich gefragt ob denn meine Reise beruflich oder privat zwingend erforderlichen sei. Aus meiner Erfahrung in anderen Situationen weiss ich sehr gut, dass das, was ich als zwingend erforderlich empfinde nicht immer deckungsgleich ist mit dem, was andere als solches bezeichnen würden.

Nun, niemand hat mich gefragt und ich habe die Hälfte der Reise mundschutzbewehrt und alleine in einem Waggon gesessen.

Und in Hamburg habe ich nur einen kurzen sehnsuchtsvollen Blick auf die Kunsthalle geworfen und gedacht, wie sicher ich dort doch wäre. Selbst ohne Corona sind Museen nach wie vor Orte von Zucht und Abstand, kaum traut man sich laut zu reden oder sich ungebührlich schnell fortzubewegen, läuft man doch Gefahr, darauf hingewiesen zu werden, eben dies nicht zu tun. Abstand ist auch zu nicht-corona-Zeiten in so ziemlich jedem Museum ein Muss. Und in Coronazeiten? Es wird wohl kaum ein Museum auf der Welt geben, das nicht ein perfekt durchdachtes und noch dazu aufgrund der äußeren Umstände durchaus umsetzbares Hygienekonzept vorzuweisen hätte. Personal in jedem zweiten Saal, geschult darauf auf Abstand zu achten.

Und wie gut würde es der Seele tun, durch die heiligen Hallen der Kunst zu wandeln, die Ruhe zu genießen, sich der Kontemplation hinzugeben, diesem konzentriert-beschaulichen Nachdenken und geistigem Sichversenken in etwas, angesichts der Kunst um einen herum.

Ja, wie gut würde es der Seele tun. Aber wen kümmert schon die Seele? Wer sorgt sich, wem liegt ihr Heil am Herzen?

So saß ich dann auf dem Bahnsteig, habe die Zeit damit verbracht, mir die Karte von Schleswig-Holstein genauer anzusehen. Bin mir, zu meiner Schande muss ich es gestehen, da erst bewußt geworden, dass sich mein Reiseziel nur knapp hinterm Nord-Ostsee-Kanal befindet.

Zweiter Halt: Itzehoe. Der Zug ist überschaubar geworden, hat nur noch vier Waggons. Bahnsteig direkt gegenüber. Da reichen selbst mir die fünf Minuten Umsteigezeit. Es wird ruhig, es wird weit. Auch in mir. Zwischen hier und dort eben jener Kanal, dessen Vorhandensein mir bis vor wenigen Stunden nicht gegenwärtig war. Tatsächlich schippert gerade als der Zug den Kanal überquert ein riesiges Passagierschiff quer durch die Landschaft. Wenn man nicht wüsste, was ich inzwischen weiss…..

Dritter Halt: Burg. Seit einer Stunde ist es vollkommen absurd, die Maske zu tragen. niemand sitzt im Zug außer mir. Selbst zu einer Kontrolle scheint sich niemand aufraffen zu können. Am Ziel angekommen wartet Kay, Kay und ein Hundertwassergemälde, das die Unterführung kunterbunt gestaltet und mich an Ostereier aus anderen Zeiten erinnert, und an Uli, meinen Sohn, der mir ein wunderbares Hundertwasser-Bild gemalt hat, das an meinem Webstuhl hängt.

Zwei Tage Land, zwei Tage Ruhe. Ein Zaunkönig, der den Weg nach draußen sucht, ein Kamin der pfeift, ein Kahn der schwer an der Decke hängt, ein Spaziergang am Kanal und ein Besuch bei Edgars Sohn. Und wer ist Edgar? Nun, ihr kennt ihn vielleicht, ich kannte ihn jedenfalls nicht. Aber ich habe natürlich sobald ich konnte diese Leerstelle in meinem Allgemeinwissen aufgefüllt, zumindest für eine kurze Zeit.

Edgar Mrugalla, Kunstfälscher von Beruf. Ich habe im Internet ein Interview gefunden. Hört mal rein….. Total spannend.

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/mrugallaedgar100.html

Und jetzt? Jetzt werde ich zuschauen, wie die beiden letzte Kerzen im fünfarmigen Ständer ausgehen, werde den letzten Schluck Grauburgunder trinken, denn Kay ist kein Weintrinker und würde die Flasche im Kühlschrank vergessen. Und ich mache mich bereit für die Rückkehr in die Stadt, in den Kosmos KMH und an den Webstuhl. Im Gepäck die Aufgabe zu akzeptieren was ist und das Beste daraus zu machen. Zu weben.

Leben und Weben – Ich hoffe, dass dieses Jahr ein Kunstwerk wird. „Wie ein Weber hast du mein Leben zu Ende gewoben, du schneidest mich ab wie ein fertig gewobenes Tuch“. (Jesaja 38,12)

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406 _ zwischen den Welten

Am Kanal, der Ost und West verbindet.

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berlin _ 405 _ textil _ kunst _ handwerk

Vom 9.04. – 11.04.2021 finden die Europäischen Tage des Kunsthandwerks statt. Ähnlich wie bei der Fête de la Musique handelt es sich auch hier um eine Initiative französischen Ursprungs.

Man muss es mögen, dieses erst einmal virtuelle Zusammen-kommen auf einer Plattform, das sich Einfinden unterschiedlicher Kulturtechniken und Menschen mit ihrem Verständnis von dem, was sie tun, mit Herz und Verstand.

Immer wandelnd zwischen den Stühlen von Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk.
Dort verschnaufend, wo es gerade passt.

Wenn alles gut geht, dann steht mein Webstuhl im April schon in der WanderndenWebWerkstatt und ich kann den Besucher:innen erzählen von der Reise durch Europa.

Auf die Website des Europäischen Tags des Kunsthandwerks ETAK findet ihr eine Übersicht über die teilnehmenden Kunsthandwerker:innen und die Orte, an denen sie ihre Arbeiten zeigen.

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berlin 404 _ textil

DIE ZEIT, die ist ein sonderbares Ding.

Vor etwas über einem Jahr war die WanderndeWebWerkstatt, obschon wichtiger Teil einer Ausstellung, ein Projekt in einer Ferne, von der mich eine Weite trennte, deren Umfang zu bemessen ich nie gewagt hätte.

In meinem Bewußtsein und in meinem Herzen war sie ebenso wahrhaftig wie die Meise auf dem Dach, der Faden in der Hand und die Kälte in den Füßen.

Heute etwas über ein Jahr später gibt es einen Anhänger und einen Stapel Holz die darauf warten sich zu verbinden und die WanderndeWebWerkstatt Wirklichkeit werden zu lassen.

Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, ich hätte ihn für mehr als optimistisch gehalten, denn das bin ich selbst.

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist.
Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet, so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich wirklich zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam mein Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT. Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Soweit Charles Chaplin. Siebzig Jahre Leben haben ihn dahin gebracht, den Text genau so zu schreiben. Immer mal wieder begegnet mir dieser Text. Auch gestern, als ich auf der Suche nach einer ganz anderen Weisheit war.

Drei Absätze habe ich heraus genommen, die mich besonders anrühren. In 12 Jahren werde ich selbst Siebzig sein. Zwölf Jahre sind eine kleine Ewigkeit und ein Nichts an Zeit. Welch ein sonderbares Ding.

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berlin _ 403 _ künstlerresidenz in der kmh

Die [Voll]Endung in Sicht.

JA, das Ziel ist greifbar nah. Das letzte Abwickeln der Kette, das letzte Aufrollen des gewirkten Bildes, ein neuer Horizont und der letzte Abschnitt einer langen Wegstrecke.

Und JA, es ist eine Maske. Nach langem Zögern habe ich auch dem einen kleinen Raum bewilligt, was mehr oder weniger intensiv aber immer gegenwärtig unser Leben in den letzten 12 Monaten bestimmt und die Entstehungsgeschichte dieses Teppichs begleitet hat und letztendlich auch ein Grund für die Künstlerresidenz war und ist.

Nicht ohne inneren Widerstand, aber mit der Einsicht, dass dieser wichtige Aspekt zu solch einem Sammelsurium an Eindrücken und Augenblicken, an Anekdotischem und Tiefgründigem dazu gehört.

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berlin _ 402 _ künstlerresidenz in der KMH

Zwischenstand. Zwischen Sollte und Sein.
Und doch Zufriedenheit.

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401 _ berlin _ zwischen den welten (6)

Manchmal

Manchmal, wenn ein Vogel ruft
oder ein Wind geht in den Zweigen
oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
dann muß ich lange lauschen und schweigen.

Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.

Meine Seele wird Baum
und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

Hermann Hesse, September 1904

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berlin _ 400

Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Fahrt,
voller Abenteuer und Erkenntnisse.
Die Lästrygonen und Zyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht,
solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden,
wenn dein Denken hochgespannt, wenn edle
Regung deinen Geist und Körper anrührt.
Den Lästrygonen und Zyklopen,
dem wütenden Poseidon wirst du nicht begegnen,
falls du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
falls deine Seele sie nicht vor dir aufbaut.

Wünsch dir eine lange Fahrt.
Der Sommermorgen möchten viele sein,
da du, mit welcher Freude und Zufriedenheit!
In nie zuvor gesehene Häfen einfährst;
Halte ein bei Handelsplätzen der Phönizier
Und erwirb die schönen Waren,
Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz
Und erregende Essenzen aller Art,
so reichlich du vermagst, erregende Essenzen,
besuche viele Städte in Ägypten,
damit du von den Eingeweihten lernst und wieder lernst.

Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
Und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, dass Ithaka dir Reichtum gäbe.

Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.

Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.

Κωνσταντίνος Καβάφης

Ιθάκη

Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη,

να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος,

γεμάτος περιπέτειες, γεμάτος γνώσεις.

Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,

τον θυμωμένο Ποσειδώνα μη φοβάσαι,

τέτοια στον δρόμο σου ποτέ σου δεν θα βρεις,

αν μέν’ η σκέψις σου υψηλή, αν εκλεκτή

συγκίνησις το πνεύμα και το σώμα σου αγγίζει.

Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,

τον άγριο Ποσειδώνα δεν θα συναντήσεις,

αν δεν τους κουβανείς μες στην ψυχή σου,

αν η ψυχή σου δεν τους στήνει εμπρός σου.


Να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος.

Πολλά τα καλοκαιρινά πρωιά να είναι

που με τι ευχαρίστησι, με τι χαρά

θα μπαίνεις σε λιμένας πρωτοειδωμένους·

να σταματήσεις σ’ εμπορεία Φοινικικά,

και τες καλές πραγμάτειες ν’ αποκτήσεις,

σεντέφια και κοράλλια, κεχριμπάρια κ’ έβενους,

και ηδονικά μυρωδικά κάθε λογής,

όσο μπορείς πιο άφθονα ηδονικά μυρωδικά·

σε πόλεις Aιγυπτιακές πολλές να πας,

να μάθεις και να μάθεις απ’ τους σπουδασμένους.


Πάντα στον νου σου νάχεις την Ιθάκη.

Το φθάσιμον εκεί είν’ ο προορισμός σου.

Aλλά μη βιάζεις το ταξείδι διόλου.

Καλλίτερα χρόνια πολλά να διαρκέσει·

και γέρος πια ν’ αράξεις στο νησί,

πλούσιος με όσα κέρδισες στον δρόμο,

μη προσδοκώντας πλούτη να σε δώσει η Ιθάκη.


Η Ιθάκη σ’ έδωσε τ’ ωραίο ταξείδι.

Χωρίς αυτήν δεν θάβγαινες στον δρόμο.

Άλλα δεν έχει να σε δώσει πια.


Κι αν πτωχική την βρεις, η Ιθάκη δεν σε γέλασε.

Έτσι σοφός που έγινες, με τόση πείρα,

ήδη θα το κατάλαβες η Ιθάκες τι σημαίνουν.



Quelle:

http://www.kavafis.de/ http://www.kavafis.de/

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berlin _ 399 _ zwischen den Welten (5)

Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Erfahrungen und Erwartungen, zwischen gestern und morgen. Den ersten Schritt in die Draußen-Welt noch nicht getan, nur aus dem Fenster schauend, in eine regenfeuchte, wintergraue, stille Welt. Noch nicht ganz sicher, dass da wirklich 365 Tage bereit stehen unter dem Zeichen der 21. Noch verhaftet in den Gedanken und Gefühlen, die mich während der vergangenen Wochen beschäftigt haben.

Mundos intermedios _ Entre el pasado y el futuro, entre lo viejo y lo nuevo, lo visto y lo imaginado, las experiencias y expectativas, entre ayer y mañana. Aún sin haber dado el primer paso en el mundo exterior, solo mirando por la ventana, contemplando un mundo húmedo de una lluvia fina, envuelto en el manto gris del invierno sin nieve, y el silencio resacoso de una noche vieja muy particular que da fin a un año raro. Aún no segura si realmente habrá esos sabidos 365 días a disposición bajo el signo del 21, aún más sujeta en los pensamientos y emociones de las ultimas semanas.

Dazu gehört, unter anderem unterstützt durch die Unerbittlichkeit des Facebooks, die immer wieder alte Geschichten hervorholt, in einer ewigen Wiederkehr von Bildern, jedes Jahr aufs Neue wie ein kleines durchaus liebgewonnenes Ritual, die Erinnerung an die Geburtstage des KUKU, und dessen Schließung…. und an all den Menschen, mit denen ich eine Strecke meines Lebens gemeinsam gehen durfte, die mir lieb geworden sind, die ich vermisse, die ich hoffentlich bald wiedersehe…..

Parte de ello, respaldado entre otras cosas por la implacabilidad del facebook, que una y otra vez rescata de las narraciones virtuales textos y fotos de momentos lejanos en el tiempo, son los aniversarios del KUKU, también su cierre….. Pero sobre todo me trae, como un ritual querido, el recuerdo a toda buena gente con la que compartí ahí un tramo de mi vida, buena gente que aprendí a querer como mi pequeña famila, gente que echo de menos, gente a la que espero poder volver a ver pronto….

Eine bessere Motivation kann ich mir kaum vorstellen…

Difícil imaginarme una motivación mejor……

Un fuerte abrazo. Y si he puesto el poema da Kavafis en el tapiz ha sido pensando en vosotros.

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berlin _ 398 _ KUKUmobil

[de] Dass 2020 ein außergewöhnliches Jahr für uns alle war, muß, glaube ich, nicht noch einmal ausgeführt werden. Dass es für einige von uns aber trotzdem auch Situationen gebracht hat, die aus der individuellen Perspektive heraus als durchaus positiv zu bewerten sind, sollte hin und wieder gesagt werden, um diesem Jahr etwas von der Bürde, der Anstrengung und der Erschöpfung zu nehmen, die es auf gesamtgesellschaftlicher Ebene bedeutet hat.

[es] Que el año que acaba haya sido un año excepcional, es un hecho en el que no hace falta reparar para explicarlo. Que, a pesar del impacto general, haya traido situaciones que desde una perspectiva individual resultaron positivas es algo, que sí creo que es merecedor de ser recordado, para quitarle un poco de la carga, del agotamiento y el esfuerzo de la permanente renuncia y prudencia, con la que hemos vivido semana tras semana de este año que acaba hoy.

[de] Für mich hat dieses Jahr beides gebracht, vor allem aber viel Zeit, um meinen Teppich voran zu bringen. Zeit, um die ich sonst hätte kämpfen müssen. Zeit, die mir jetzt gegeben war und die ich, dankbar inmitten der allgemeinen Anstrengung, versucht habe, konsequent zu nutzen.

[es] Para mi, este año ha significado poder avanzar en el tapiz, tener a disposición tiempo por el que en otros momentos hubiera tenido que pelear. Tiempo y calma, que surgieron en medio de una gran turbulencia de excepcionalidades.

[de] Und es hat mir einen liebevollen Schubs gegeben und mich auf den Weg gebracht, um -viel schneller als gedacht- den Traum vom KUKUmobil Wirklichkeit werden zu lassen. Heute werde ich den Schritt ins neue Jahr voller freudiger Erwartung tun. Und ich werde mich bemühen, euch mitzunehmen auf diesem Weg.

[es] Y me ha dado un cariñoso empujón para ponerme en camino, mucho más rápido de lo esperado, para convertir el sueño del KUKUmobil en realidad. Así que hoy daré el paso para entrar en un año nuevo, lleno de ilusión y confianza en la vida. Y prometo llevaros conmigo para hacer juntos este camino, aunque sea de forma virtual. Al final habrá un KUKUmobil, sobre ruedas. Con el que se pueden emprender viajes….

[de] Wenn alles gut geht, dann beginnt der Bau im Februar. Vor drei Tagen hat Kay den Trailer gebracht. Der steht jetzt vor der KMH und harrt geduldig der Dinge, die da kommen mögen. Und ich habe meinen ersten Einkauf getan. Kastensicherung. Tja, Eigentum verpflichtet. Ein seltsames aber durchaus auch prickelndes Gefühl.

[es] Si todo sale como previsto, empezamos la construcción en febrero. Hace tres días, Kay trajó la plataforma que desde entonces espera pacientemente delante de la KMH el inicio de las obras. Y yo he hecho mi primera compra. Un dispositivo de seguridad con candado. En fin, cosas de la propiedad. Una sensación rara que me produce un cierto hormigeo.

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Vorsätze. Gab es _ nicht, oder doch? Wollte gerade anfangen darüber zu schreiben, und dachte, ich schau erst einmal in den Tiefen dieses Blogs, was sich da so finden lässt, wenn man etwas gräbt.

Zwei Jahre tief, da finde ich das hier:

Januar 2018, da saß ich anscheinende mitten in einem Wirrwarr mit dem Bedürfnis, Ordnung zu schaffen _ in meinen Gedanken und Gefühlen, in meinen Plänen für die Zukunft.

Über Leitfäden habe ich damals geschrieben. Sinnvoll. Ja. Zwei Jahre lang habe ich mich jetzt darin geübt, nicht nur die bunten Fäden meiner Wirkerei in der Hand zu halten, sie zu verbinden, und mich darum zu kümmern, dass aus ihrer Vielfalt heraus das bunte Ganze entsteht, eine Geschichte erzählt, eine Vision greifbar macht…

Ganz andere Fäden habe ich versucht zusammenzufügen zu einem bunten, soliden, tragenden, schützenden, haltenden Ganzen. Tief hinein bin ich gerutscht in einen kollektiven Wirrwarr aus Träumen, Wünschen, Erwartungen, Verbindlichkeiten, Bedarfen und Bedürfnissen. Viel gelernt habe ich über mich, über die Menschen um mich herum. Nicht immer das, was oben auf meiner Liste stand, nicht immer so, dass es Spaß gemacht oder Freude bereitet hätte.

Manch ein Faden ist durchaus dabei, von dem ich froh sein werde, wenn ich ihn _ herausgelöst aus dem Wirrwarr und aufgewickelt zu einem kleinen festen Knäuel _ zur Seite legen kann für mögliche spätere Verwendungen. Man weiß ja nie, was das Leben noch so parat hat.

Es werden auch danach noch genug übrig bleiben, um alle Hände _und Füße_ voll zu tun zu haben.

Mein Vorsatz für 2021: mich sanft, leise und liebevoll herauszulösen. Achtsam genug, um keinen Faden zu zerreißen; geduldig genug, um jeden Knoten zu lösen; sorgfältig genug, um jedes Knäuel richtig zu wickeln und weitsichtig genug, um die richtigen bei mir zu tragen.

UND: Die anderen Fäden, die aus Wolle, Seide und Leinen keine Minute mehr aus der Hand zu lassen, bis der Teppich fertig ist, der gerade von meinem Webstuhl gehalten wird.

Beides große Herausforderungen. Möge 2021 mir Kraft und Muße geben, dies zu bewirken.

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berlin _ 396 _ textil

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berlin _ 395 _ fundstück

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berlin _ 394 _ KUKUmobil

So, jetzt geht es los. Diesen Sommer habe ich Kay kennengelernt. Kay Andrees ist Zimmermann mit Leib und Seele. Er hat zusammen mit Jochka von tinycollective im Rahmen des „Down to earth“-Festivals ein kleines Argumente-Haus am Gropius-Bau Berlin gebaut.

Ich habe ihn gefragt, ob er Interesse hat, die WanderndeWebWekstatt zu bauen. Und er hat JA gesagt.

Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen. Wie immer am Anfang eines solchen Projektes erfüllt mich eine tiefe Freude. Es fühlt sich alle stimmig an, die Zeit, der Ort, die Idee.

Natürlich wird auch die Angst vor der eigenen Courage manchmal laut, und das Loslassen und das Sich-Stück-für-Stück-reisebereit-machen ist oft einfacher zu denken als umzusetzen. Die Leichtigkeit und Sorglosigkeit zurückzugewinnen ist immer eine Herausforderung, gerade in dieser Zeit ist sie es noch einmal mehr.

Aber ich bin auch überzeugt davon, dass es an der Zeit ist. Zeit, diesen so lange schon gehegten Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Warum gerade jetzt?
Wann wenn nicht jetzt?
Noch dazu mit jemandem wie Kay an meiner Seite, mit seiner norddeutschen Unaufgeregtheit und Zuversicht. Und natürlich mit seiner Erfahrung und seinem Können.

Eigentlich kann ich es noch nicht so richtig fassen, aber doch:


#4,5m Trailer
# 5,2 m x 2,2 m Innenraum für Wolle, Webstuhl und Wirkerin
# 3,3 m Höhe mit Frackdach (hab ich gerade gegoogelt :))
# mit Lichtband im schmalen Dachteil
# mit großer 3m breiter Tür-Fenster-Front
# im Wechselbrückenprinzip, um den Trailer auch als Plattform zu nutzen

# mit Lust und Freude und hoffentlich mit eurer guten Energie

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berlin _ 393 _ textil

So viel zu berichten, so viele Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und so wenig Zeit um die richtigen Worte zu finden.

Manhmal sagt da ein Foto mehr:

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berlin _ 392 _ Fundstücke

Was mich bewegt

Man muss den Dingen die eigene,
stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und dann

Gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter
kein Sommer kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke, 1875 – 1926

Mein Fundstück von heute.
Ein wunderbarer Text.
Hilfreich in dieser _ auch für mich _
turbulenten Zeit.

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