berlin _ 818 _ und dann….

2021 _

Eigentlich nicht erwähnenswert, weil offensichtlich und allgemein bekannt: Es war ein nicht immer einfaches aber ein intensives Jahr.

Für mich und mein Durchhaltevermögen war es eine Herausforderung, genährt von meinem Pflichtgefühl und der Liebe zu einer Vision, bestimmt von der Notwendigkeit der „Herauslösung“, die im Sommer schon begonnen hatte und von der ich das Gefühl habe, langsam zu einem Abschluss gekommen zu sein.

Loslassens als eine Übung der Bescheidenheit, auch eine Frage des Grundvertrauens, auf alle Fälle eine der Freiheit. Räume durchwandern, mit anderem Blick, auf dem Weg hinaus aus der Mitte des Labyrinths. Auf den eigenen Spuren. Mit sanftem Druck fallen die Türen ins Schloss.

In der Stille des Ateliers klingt einiges in mir nach, in der Harmonie, manches auch im Dissonanz.

Und es tun sich neue Räume auf. In mir. Lassen mich meine Stimme wieder hören. Früh, ganz früh, dann, wenn sie noch ganz zaghaft und leise ist, sich selbst kaum traut, fast ein wenig verschreckt und überrascht die eigene Klarheit und Klangmacht wahrnimmt, wenn sie nicht umgeben ist vom steten Rauschen, jedes Wort geruhsam gewichtend in seiner Tiefe, in seiner Weite, in seiner Kraft.

2022 _

Und ausserhalb. Denn langsam aber sicher schiebt sich das KUKUmobil-Projekt immer weiter in den Vordergrund. Gemeinsam mit Gudrun (danke für die Zeichnung) und Kathi dieses Projekt zu denken erfüllt mich mit tiefer Fröhlichkeit.

Klar kommen hin und wieder schneidende, zweifelnde Töne auf, die durchaus in der Lage wären, das leise freudige Summen zu überstimmen das mich von Tag zu Tag trägt. Ein Räuspern, Husten, manchmal auch ein ganzer Satz. Ich höre genau zu, aber es verstummt von alleine, so, als ob sie gerade durch das Gehörtwerden ihre bremsende oder gar verhindernde Kraft verlieren würden.

Es ist ein lebendiges Projekt. Es atmet, pulsiert. Es weitet sich und zieht sich zusammen. Erst war es klein gedacht, dann kam der Drang so groß wie möglich zu denken. Jetzt überwiegt der Mut, auch wenn es größer gehen könnte, die eigene, passende Dimension und stimmige Proportion zu finden und dazu zu stehen, ohne das Gefühl zu bekommen, etwas „verpasst“ zu haben.

Ich liebe die Ruhe und Besonnenheit, die diesem Projekt bisher eigen ist und die ich gerne bewahren möchte, für die Zeit des Baus im kommenden Frühjahr, aber viel mehr noch für die Zeit danach, wenn es auf Reisen geht.

Ich freu mich. Auf all das Neue, was das kommende Jahr bringen mag. Als leidenschaftliche, unverbesserliche Utopistin lasse ich mich tragen von meinem Grundvertrauen.

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist, würgen und heilen, brechen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen, Steine zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen, suchen und verlieren, behalten und wegwerfen, zerreißen und zunähen, schweigen und reden, lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.

(Prediger 3,1–8)

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