welt _ 794 _ schwarze kunst

Seit Lea mir von Jan und Crispin erzählt hat, und vom Zauber der Schwarzen Kunst, dem sie in deren kleinen und feinen Druckerei Barbarian Press erlag, hat der Handsatz und die Kunst des Buchdrucks auch ein Teil meines Herzens erobert.

Nicht umsonst gibt es unzählige Verbindungen zwischen Text und Textil, nicht umsonst gibt es in unserer Sprache ebenso viele Anlehnungen an Konzepte und Bilder der Textilen Welt. Von der Fadenscheinigkeit bis zum Leitfaden wimmelt es davon.

Das akribische Zusammenfügen einzelner Lettern, Wort für Wort, Zeile für Zeile, Absatz für Absatz, das alles spiegelverkehrt…. das klingt mir so vertraut, als wenn vom Wirken die Rede wäre: Faden um Faden, Zeile um Zeile, Feld um Feld, und auch das alles spiegelverkehrt, oder doch auf den Kopf gestellt oder um 90 Grad gedreht……

Und so kommt es, dass immer, wenn ich sie entdecke….. SIE, denn es gibt sie noch… hier und da….. SIE, die sie wie eh und je mit großer Sorgfalt einen Lettern nach dem anderen in den Rahmen setzen und sich mit Liebe darum kümmern, dass die Schwarze Kunst lebendig bleibt…. immer wenn ich SIE entdecke, wird mir warm ums Herz und ich fühle ich verbunden. Verbunden mit allen die wir verstreut über diesen Planeten und allem Zeitgeist zum Trotz die Flamme unserer Leidenschaft nähren und versuchen, anderen weiterzugeben.

So hat mich diesen Sommer bei einem Blitzbesuch in Regensburg das Schicksal zum Blinkfüer geführt. Dort habe ich Susanne Kauth kennengelernt und durfte einen Blick in ihre Werkstatt tun. Und sofort war sie wieder da, diese Vertrautheit.

Warum ich das alles schreibe? Nun, vor zwei Wochen habe ich einen Bekannten im Berliner Komponistenviertel besucht, in unmittelbarer Nähe des Jüdischen Friedhofs. Da es das erste Mal war, hat er mir seine Wohnung gezeigt und bei einem Blick durch das Fenster auf den Seitenflügel sah ich mit Überraschung, dass dort eine Werkstatt untergebracht ist.

Ja. Genau. Eine kleine und feine Druckerei. Das Reich von Martin Z. Schröder, seines Zeichens Schweizerdegen. Lea kommt über den Jahreswechsel nach Berlin, wenn uns die vermaledeite Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht. Ein Besuch ist schon angesagt. Wer nicht das Glück hat in Berlin zu wohnen, findet hier mehr über die Druckerey.

Fäden der Vertrautheit, die die Welt umspannen. Der Geist aus einer anderen Zeit, der uns gefangen hält in seinem Zauber.

Dieser Beitrag wurde unter arte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s