berlin _ 680 _ 410-Tage-Projekt

Tja, nun ist er doch in der #KMH, der gestrickte Labyrinthfaden. Es hat eine Weile gedauert, und auch jetzt ist es erst einmal ein vorsichtiges Ausprobieren.

Ein Ausprobieren, ob das, was mich begleitet von einer Station zur nächsten, vom KUKUprojekt im nordspanischen  Aguilar de Campoo zur KMH in Berlin, auch wirklich zusammenpasst, ob es ein sinnvoller Teil meines Reisegepäcks ist, oder ein Teil der Vergangenheit, den es loszulassen gilt, wie ein Sack Sand im Heißluftballon.

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Bisher fühlt es sich gut an. Ich habe die Halle leer geräumt. Ich liebe die Atmosphäre, das Geraune der Stimmen aus der Vergangenheit, das Rauschen des Verkehrs und das Zwitschern der Vögel.

Dann habe ich sie gefegt, Schritt für Schritt, so wie Beppo, und auch das  hat sich gut angefühlt.

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“

Aus dem Buch „Momo„ von Michael Ende

Jetzt liegt der Faden zusammengerollt im Raum. Ich sitze am Webstuhl und warte. Auf den richtigen Moment das Labyrinth zu legen.

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