berlin _ 671 _ textil

Ob wir wollen, oder nicht.

Sie wird kommen, die Zeit, in der wir nur mit Mundschutz bestimmte Dinge tun können, egal, ob wir von der Sinnhaftigkeit überzeugt sind, oder nicht. Irgendwann kommt vielleicht sogar der Moment, da werden diejenigen seltsam angeschaut, die KEINEN Mundschutz tragen und wir werden uns kaum noch daran erinnern (wollen), dass es Zeiten gab, wo es anders war. Denn wir werden uns daran gewöhnen (müssen), wie wir uns daran gewöhnt haben, die Flasche überstürzt auszutrinken, die Schuhe auszuziehen und den Gürtel aus den Schlaufen zu ziehen, bevor wir durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen tapsen, mit der Hand am Hosenbund.

Vor ein paar Wochen noch haben wir, Heike und ich, mehr spaßeshalber und zugegebenermaßen mit halbem Herzen und einem knappen Viertel Überzeugung, wenn überhaupt, die ersten Tutorials geschaut und einige Maskenmodelle ausprobiert. Uns beide begeistert der Gedanke, sie tragen zu müssen, ganz und gar nicht.

Vor einigen Tagen dann, als abzusehen war, dass kein Weg an ihnen vorbei gehen wird, hab ich mich dazu entschlossen, bei meiner Freundin Stefanie Masken zu kaufen. Denn wenn schon das Tragen mir nicht sinnvoll erscheint, dann doch wenigstens das Gefühl, mit dem Kauf etwas bewirkt zu haben.

Stefanie ist Kostümbildnerin. Wie so viele andere weiß auch sie nicht,  wann sie ihre eigentliche Arbeit wieder aufnehmen kann. Prämieren von Neuinszenierungen und Vorstellungen sind bis auf Unbekannt verschoben, wenn nicht ganz abgesagt. Keiner wagt so wirklich einen Termin zu nennen.

Aber das Leben geht natürlich weiter. Statt die Hände in den Schoss zu legen, hat Stefanie angefangen, Behelfsmasken zu nähen. Ich brauch hier nicht zu erklären, was es damit auf sich hat, ob sie schützen, gegen wen, gegen was. Dazu schwirrt derzeit so viel Information im Internet wir Schmeißfliegen um einen Haufen Kot oder Mücken vor dem Sommergewitter.

Da ich aber schon mal dabei war, habe ich gleich für die ganze Familie gekauft. Heute lagen sie im Briefkasten. Wunderschöne kleine textile Objekte, schöne Stoffe, sorgfältige Verarbeitung. Also wenn es schon sein muss, dann wenigstens so…..

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Auf dem Weg zurück in meine Künstlerinnenresidenz habe ich sie gleich ausprobiert. Ganz ehrlich? So schön sie als Objekt auch sind, und das sind sie, ich komme mir ausgesprochen seltsam vor. Extremst gewöhnungsbedürftig das eigene Aussehen, aber auch das der anderen. Und wie gesagt, ich bin von der Sinnhaftigkeit des Maskentragens nicht überzeugt. Sehe nach wie vor fast mehr Nachteile darin als Vorteile und auf alle Fälle eine große Portion an Unbequemlichkeit.

Und das liegt, wie gesagt, nicht am Schnitt oder an der Verarbeitung. Die könnten besser gar nicht sein. Das liegt schlicht und einfach an der Unglücklichkeit meines Gesichts.

Kommt weiterhin gut durch diese Zeit. Laßt euch den Humor nicht nehmen, und auch nicht eure Freiheit.

Hier noch einmal der Link zu Stefanies Blog

 

 

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